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Nachhaltigkeit im Projektmanagement praktisch weitergedacht und -gebracht!

Wenn Sie sich mittlerweile mühelos zwischen klassischem, agilem oder hybridem Projektvorgehen bewegen und neue Herausforderungen suchen, lohnt sich der Blick auf ein weiteres Projektvorgehensmodell namens Green Project Management.

Die zusammenfassende Beschreibung des grünen Projektmanagements ist tatsächlich unspektakulär: Green Project Management ist ein Projektmanagement-Ansatz, der nachhaltige Praktiken in sein Vorgehen integriert. Nachhaltig klingt gut und liegt im Trend.

Setzt man sich tiefer mit dem Thema auseinander, erkennt man zwei wesentliche Vorteile: Zum einen ist das Vorgehensmodell nicht komplett neu, sondern vervollständigt etablierte Standards und Methoden wie z.B. ISO 21500, PMP® und PRINCE2®. Zum anderen taucht der Begriff Nachhaltigkeit nicht aus Marketing-Gründen auf, sondern wird systematisch im Projektalltag verankert und umgesetzt. Das betrifft sowohl die Projektarbeit als auch das Projektergebnis.

Und so soll Green Project Management nicht bloß ein weiterer neuer Trend sein, sondern die notwendige Reaktion auf die existierenden sozialen und klimatischen Veränderungen unserer Zeit, mit dem Fokus Projektmanagement.

Wie alles begann und was bisher geschah

2009 gründete der Amerikaner Dr. Joel B. Carboni die Organisation GPM Global GPM®, deren Mission die Einführung von Nachhaltigkeit in der Projektbranche ist. Ziel ist die Weiterentwicklung des Projekthandwerks durch prinzipien- und wertebasierte Methoden.

Die zwangsläufige Notwendigkeit dahinter lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Nachhaltigkeit zu erzielen, erfordert große Veränderungen in nahezu allen Bereichen unseres täglichen Lebens. Gezielte Veränderungen werden in der Regel über Projekte herbeigeführt, d.h. hier besteht eine naturgemäße Verbindung.

Dr. Carboni bzw. GPM Global agiert selbst erfolgreich nach den aufgestellten Prinzipien, denn sie führen ihre Ideen nachhaltig in die Projektbranche ein. Neben den eingetragenen Warenzeichen Green Project Management®  und GPM® wurden zahlreiche Produkte geschaffen und Copyrights gesichert:

  • P5™ ist der Standard für Nachhaltigkeit im Projektmanagement. Er steht für People, Planet, Prosperity, Process and Products und liefert ein Werkzeug zur Beurteilung der Nachhaltigkeit
  • PRiSM™ ist die grüne Projektmanagement-Methode
  • GPM-m™, GPM-b™ sind Projektmanagement-Zertifizierungen
  • PSM3™ ist ein Modell mit Assessment, d.h. die Einordnung und Bewertung von Organisationen auf ihre Nachhaltigkeit hin.

 Was macht ein Projekt nachhaltig

Einfach ausgedrückt ist ein Projekt nachhaltig, wenn

  1. sowohl während seiner Durchführung als auch für das Projektergebnis und dessen Lebenszyklus negative Einflüsse auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft aktiv abgewogen und ihnen entgegenwirkt wird.
  2. die im Business Case definierten positiven Einflüsse auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft konsequent realisiert werden.

Zudem folgen nachhaltige Projekte sechs Leitprinzipien für nachhaltiges Projektmanagement:

  1. Engagement und Verantwortung: Anerkennung der Grundrechte von Menschen, wie z.B. Gleichbehandlung, Recht auf Unversehrtheit und faire Bezahlung sowie die Einhaltung entsprechender Gesetze
  2. Ethik und Entscheidungsfindung: Identifikation, Mitigation und Vorbeugung von schädlichen Einflüssen auf unsere Gesellschaft und Umwelt
  3. Integriert und transparent: Förderung der wechselseitigen Abhängigkeiten von ökonomischer Entwicklung, sozialer Integrität und Umweltschutz
  4. Prinzipien- und wertebasiert: verbesserte Entwicklung und Nutzung von Technologien und Arbeitsmitteln zum Schutz und Vermehrung von natürlichen Ressourcen
  5. Soziale und ökologische Gerechtigkeit: aktive Beurteilung der sozialen und ökologischen Gegebenheiten
  6. Wirtschaftlicher Wohlstand: gefördert durch das Ausbalancieren von (kurzfristigen) Interessen der Stakeholder und den Interessen zukünftiger Generationen

Die Begründer sehen Green Project Management als jüngste Evolutionsstufe in der Entwicklung der Definition von Projekterfolg – von der sturen Einhaltung des Dreigespanns aus Zeit, Kosten und Umfang hin zur Wertschöpfung und Sinnstiftung. Das kann nur geschehen, indem der Fokus des Projektmanagements ganzheitlich wird und der Kontext des Projektes und seiner Ergebnisse auf soziale Aspekte und die Umwelt betrachtet wird.

Was bedeutet nachhaltiges Projektmanagement in der Praxis

Nachhaltige Projektmanager:innen nutzen den P5™ Standard als Werkzeug zur Analyse und Maßnahmenfindung und das PRiSM™ Vorgehensmodell zur Durchführung von nachhaltigen Projekten.

Die Zusammenfassung des P5™ Standard wirkt wie ein Periodensystem der Nachhaltigkeit und basiert maßgeblich auf den Sustainable Development Goals (SDGs) der United Nations (https://sdgs.un.org/goals). Er sammelt und kategorisiert Begriffe bzw. alle Aspekte von Nachhaltigkeit und stellt deren Beziehung untereinander dar.

Abb. 1: Überblick P5™ Ontologie (Quelle: https://www.greenprojectmanagement.org/)

Zu jedem der Begriffe werden im Weiteren zahlreiche Aspekte und konkrete Fragestellungen beschrieben, die im nachhaltigen Projektmanagement zu berücksichtigen sind. Unter Lebenszyklus eines Produkts wird unter anderem aufgeführt, dass das Projektteam über seine Richtlinien, Vorgehensweisen und Praktiken die Nachhaltigkeit des Produkts sicherstellen soll, in dem z.B. aktiv Materialien gesucht und verwendet werden, die weder den Planeten noch Menschen schädigen. Dieser und viele weitere Aspekte mögen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit selbstverständlich erscheinen. Die Frage lautet aber vielmehr, ob sie auch umgesetzt werden. Und da wird es schon weniger selbstverständlich. Der Standard ist also eine Checkliste, um positive wie negative Einflüsse aufzudecken und so für die Projektsteuerung sowie einen effektiven Ressourceneinsatz nutzbar zu machen.

Auch in diesem Zusammenhang gilt ‚nichts ist umsonst‘. P5™ umfasst nicht weniger als 51 Aspekte der Nachhaltigkeit, die zu analysieren sind. Diese inhaltliche Arbeit am Thema Nachhaltigkeit im Projektmanagement ist also mit signifikantem Aufwand verbunden. Wie sie konkret in den Projekt-Lebenszyklus eingebettet wird, definiert das PRiSM™ Vorgehensmodell. PRiSM™ steht für Projects integrating Sustainable Methods. Der strukturierte Ansatz verknüpft Nachhaltigkeit mit allgemein anerkannten Projektmanagement-Praktiken und beschreibt ein sequenzielles Phasenmodell. Er ist somit kompatibel zu gängigen Marktstandards wie z.B. PRINCE2.