Risiko Governance – immer stärker im Fokus der Aufsicht

Die letzten Veröffentlichungen der Aufsichtsbehörden legen immer deutlicher einen klaren Themenschwerpunkt auf die Governance-Prinzipien/-Leitlinien sowie die Risikokultur im Bankensegment. Als ein Beispiel zu nennen ist hierbei die Leitlinie des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision „BCBS“) zu Corporate Governance Grundsätzen für Banken (BCBS d328 – Corporate Governance Principles for Banks). Ebenso wie im Entwurf zur MaRisk-Novelle vom 18.02.2016 wird insbesondere die Risikokultur zusammen mit der Etablierung von institutsspezifischen Verhaltenskodizes in der BCBS angesprochen. Diese neuen Prinzipien gelten als sogenanntes „Soft Law“, sind verbindlich für alle Basler Mitglieder und als Teil der Governance Prüfung im Rahmen des „Supervisory Review and Evaluation Process“ (SREP) zu betrachten.

Die 13 überarbeiteten Prinzipien der BCBS d328 Guideline behandeln folgende Schwerpunkte rund um das Thema einer effizienten Corporate Governance für ein sicheres Funktionieren der Bank:

  • Stärkere Einbeziehung des Aufsichtsrats in die Risiko Governance: Die Kontrollorgane sollen eine erweiterte Rolle einnehmen.
  • Angemessene Kompetenzen innerhalb der Organe müssen vorhanden sein bzw. aufgebaut werden: Für die Erfüllung der Überwachungsfunktion muss genügend Zeit eingeräumt werden.
  • Auswahlprozess der Bank von Vorständen und der Unternehmensleitung: Den Kontrollorganen sollen Hilfestellungen zur Verfügung gestellt werden.
  • Aufbau eines Kompensationssytems für Geschäftsführung und Aufsichtsorgane: Dies soll in Wechselwirkung mit der Risikokultur bzw. dem Wertesystem und der Riskobereitschaft der Bank erfolgen.

Das BCBS veröffentlicht die überarbeiteten Prinzipien für eine Best-Practice-Unternehmensführung in Banken mit dem Ziel, die interne Governance dementsprechend zeitnah anzupassen. Auf nationaler Ebene werden in Deutschland die Grundsätze zur Unternehmensführung durch das Kreditwesengesetz (KGW) sowie die detaillierenden Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) und den Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) geregelt, derzeit jedoch nicht derart detailliert wie in den o.g. BCBS Prinzipien.

Im KWG und in den MaRisk ist die Geschäftsleitung zuständig für die Etablierung von Governance Strukturen, sowie eines angemessenen Risikomanagements und muss hierüber den Aufsichtsrat regelmäßig informieren. Das BCBS sieht hier allerdings den Aufsichtsrat in der Führung und ergänzt die Rolle des obersten Aufsichtsorgans um die Verantwortung zur Umsetzung neuer Governance, Steuerungs- und Risikomanagementsysteme.

Die Governance, insbesondere die Risiko Governance, sind Prüfungsgegenstände im neuen SREP seit 01.01.2016, wobei bankaufsichtsrechtliche Sanktionen auf der Internetseite der Bankenaufsicht (BaFin) zu veröffentlichen sind. Stellen Sie vor diesem Hintergrund sicher, dass die Governance Ihres Hauses die Prinzipien des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht zu Governance Prinzipien in Banken vollumfänglich erfüllt. Kommentieren Sie evtl. Abweichungen davon proaktiv, ggf. unter Wahrung der Stärken des jeweiligen Finanzverbundes, um im SREP auch gegenüber der Aufsicht die Grundidee der Proportionalität zu unterstreichen.

Möchten Sie gerne überprüfen, ob Ihre Organisation die neuen Anforderungen bereits erfüllt? Die Experten von RFC Professionals sind seit vielen Jahren in den o.g. Themenstellungen unterwegs und unterstützen Sie dabei gerne. Sprechen Sie uns an!

Alexander Wolf

Ihr Ansprechpartner:

Torsten Lindlahr

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