Signifikanz der Abweichungen des Riskoprofils von den Annahmen, die der Berechnung der Solvenzkapitalanforderung (SCR) zugrunde liegen

Im Rahmen der sogenannten Dialog- und Verlautbarungsphase hat die Aufsichtsbehörde BaFin im Frühsommer 2015 ein Papier mit dem Titel „Berechnung und Prüfung der Solvabilitätskapitalanforderung“ veröffentlicht.

Den Versicherungsunternehmen werden seitens er Aufsicht nunmehr die genauen Berechnungen der SCR und die hierfür erforderlichen Grundlagen erläutert. Im Rahmen eines ORSA (Own Risk Solvency Assessment) soll bis zum 31.12.2015 bereits beurteilt werden, inwieweit es eine signifikante Abweichung des Risikoprofils von den Annahmen, die der Berechnung des erforderlichen Solvabilitätskapital zugrunde liegen, gibt.

Fest steht bereits heute, dass die sogenannte Standardformel zur Ermittlung der SCR nur ein naheliegendes Bild an das tatsächliche Risiko eines Versicherungsunternehmens liefern kann. Mit der Abweichungsanalyse soll die Lücke zwischen der eigentlichen Berechnung des benötigten Risikokapitals auf der einen Seite gemäß Säule I und dem ermittelten Kapitalbedarf für Risiken, welcher in der zweiten Säule errechnet wird, festgestellt werden.

Was ist nunmehr eine „signifikante“ Abweichung aus Sicht der BaFin? Erstmalig wurde dies in dem erwähnten Papier genauer definiert um den Versicherungsgesellschaften eine eindeutige Zielrichtung zur Beurteilung zu geben. Demnach gilt eine Abweichung von 10% vom in Säule I errechneten SCR als „signifikant“, eine „unwiderlegbare“ Abweichung wird mit einer Differenz von 15% definiert.

Eine Abweichung bedeutet nicht zwangsläufig, dass automatisch eine Kapitalerhöhung durchgeführt werden muss. Vielmehr muss zunächst verpflichtend entschieden werden, wie seitens der Versicherungsgesellschaft mit der Abweichung in Zukunft umgegangen wird. Dies können zum einen risikoreduzierende Maßnahmen für die Zukunft, als auch die eventuelle Einführung von partiellen Modellrechnungen sein, die gewisse Risiken abweichend – und eher angepasst an das Geschäftsmodell des Versicherers – bewerten. Das Ergebnis dieser Zukunftsüberlegung ist der Aufsicht in einem separaten Bericht detailliert zu erläutern. Erst danach entscheiden die Aufseher über eine eventuell notwendige Kapitalanpassung.

Ein wichtiger Faktor im Zusammenhang mit der Abweichungsanalyse ist auf jeden Fall das Proportionalitätsprinzip, welches den Unternehmen ermöglicht, aufgrund der Größe Erleichterungen bei der Umsetzung von Solvency II Anforderungen wahrzunehmen. Dies bedeutet nicht, dass das Versicherungsunternehmen völlig frei in der Bewertung von Risiken ist, aber zumindest in den getroffenen Annahmen und der Breite als auch der Tiefe der Analysen zur Bewertung und Berechnung von Risiken einen gewissen Spielraum hat. Des Weiteren ist die mit der Abweichungsanalyse verbundene Dokumentationspflicht intern als auch gegenüber der Aufsicht der zweite wichtige Faktor, der als „Dreh- und Stellhebel“ zur Begründung bei einer Abweichung herangezogen werden kann.

Konkret heißt dies im Hinblick auf die Beurteilung der Bedeutsamkeit der Diskrepanz des Risikoprofils, dass in der Dokumentation des ORSA Prozesses fixiert werden muss, von welchen Folgerungen das Versicherungsunternehmen bei seiner Beurteilung ausgegangen ist, welche Feststellungen zu Abweichungen auf welcher Grundlage getroffen worden sind und, soweit eine Quantifizierung erfolgt ist, wie und mit welchem Resultat diese durchgeführt wurde. Darüber hinaus muss explizit und umfassend dargestellt werden, welche Maßnahmen, sowie deren mutmaßlichen Auswirkungen, zur Reduzierung der signifikanten Abweichung zukünftig eingeleitet werden.

RFC Professionals geht gerne mit Ihnen in den Dialog hinsichtlich einer unternehmensindividuellen und insbesondere unter Proportionalitätsgesichtspunkten entsprechenden Unterstützung im Rahmen einer Abweichungssignifikanzanalyse und deren Dokumentation intern als auch extern.

Insbesondere bei zu treffenden Zukunftsannahmen und anstehende Auswirkungen von Maßnahmen stehen wir Ihnen – genauso wie in einem ORSA Prozess – sehr gerne beratend zur Seite.

Alexander Wolf

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