Von Basel III über Basel III 1/2 zu Basel IV

Dass die regulatorischen Vorgaben nicht mittelfristig bei Basel III stehen bleiben würden, war spätestens mit Veröffentlichung des Diskussionspapiers „Regulatorische Rahmenregelungen: Abstimmung von Risikosensitivität, Einfachheit und Vergleichbarkeit“ der BIS im Juli 2013 deutlich. Dieses Papier gab erste Hinweise wie der Weg zu Basel IV aussehen würde. Dieses Papier setzt das Ziel, Einfachheit, Vergleichbarkeit und Risikosensitivität in eine Balance zu bringen. Die Einfachheit soll durch Reduktion der Komplexität dazu führen, die Ergebnisse der Eigenkapitalregelungen vergleichbarer zu machen. Das Ziel der risikosensitiven Messung wiederum steht zur Einfachheit im Konflikt. Gerade interne Modelle zur Risikomessung bieten institutsindividuell eine hohe Risikosensitivität an. Interne Modelle werden in Ihrer Bedeutung beschnitten, so wird der entsprechende Standardsatz für die Teil-Eigenkapitalanforderung als Untergrenze für Kapitalanforderung auch interner Modelle diskutiert.

Basel III 1/2

Dieses Diskussionspapier, das regelmäßig unter dem Begriff Basel III 1/2 gesehen wird, ist in dieser Form nicht zur Umsetzung angedacht. Konkreter wurden die Regulierungsbehörden mit den Konsultationspapieren Fundamental Trading Book Review (BCBS d305) und der Baseler Eigenmittelunterlegung von Zinsänderungsrisiken im Bankbuch (BCBS d319). Die grundlegende Überarbeitung der Handelsbuchvorschriften behandelt die Einschränkung von Zuordnungsspielräumen zu Handels- bzw. Bankbuch, ein Einbezug von Marktliquiditätsrisiken bei der Eigenkapitalanforderung sowie die Änderung der Risikokennzahl von Value at Risk hin zum Expected Shortfall, der Risikomaß für das tail risk der Verlustverteilung ist. Die Einbindung der Zinsänderungsrisiken des Bankbuchs ist seit langem Gegenstand von Diskussionen. In welcher Form dieser Vorstoß europaweit umgesetzt wird, ist mit Rückblick darauf noch abzuwarten.

Basel IV

Die folgende Übersicht zeigt den aktuellen Stand der Konsultationspapiere. Alleine die Anzahl der Papiere, die alle drei Säulen betreffen, zeigt den Umfang der anstehenden Änderungen auf.

Wir wollen an dieser Stelle nur auf einige Vorhaben eingehen und einen kurzen Überblick über die dabei anstehenden Herausforderungen geben.

Überarbeitung des Kreditrisikostandardansatzes – weitere Konsultationspapiere in 2015 denkbar

Neben den Konsultationspapieren, die neue Standardansätze für das operationelle Risiko (Oktober 2014) und für Marktpreisrisiken und Kontrahentenrisiko (Oktober 2013 bzw. März 2014) behandeln, veröffentlichte die BIS im Dezember 2014 auch ein Konsultationspapier zum Kreditrisikostandardansatz. Grundsätzlich neu ist hier die Abkehr von externen Ratings hin zu einer begrenzten Anzahl aussagekräftiger Risikovariablen. Das Ziel ist die Erhöhung der Transparenz und der Vergleichbarkeit, die Verbesserung der Verfügbarkeit der Informationen und die Vereinfachung des Verfahrens. Die Aufsicht will die Abhängigkeit von externen Ratings mindern.

Diese Umstellung bringt eine Reihe von Prozessänderungen mit sich:

  • Externe Ratings werden durch die Inhouse-Berechnungen ersetzt, was als Einführung der vereinfachten Ratingverfahren in der Bank betrachtet werden kann
  • daraus resultiert die Notwendigkeit stärkerer Kommunikation / Zusammenarbeit der Risiko-, Rechnungswesen- sowie Meldewesen-Organisationseinheiten

Darüber hinaus sind auch Systemseitige Änderungen notwendig:

  • Erweiterung der Datenbasis um die Daten aus dem Rechnungswesen (u.a: Umsatz / Bilanzsumme, buchhalterisches Eigenkapital)
  • Änderung der Gewichtungssätze in Systemen
  • Einführung der neuen Logik zur Ableitung der Risikogewichte in Abhängigkeit von Portfolio bzw. vom Produkt sowie der Ausprägungen, der für jedes Portfolio definierten Risikovariablen
  • Anpassung / Aufbau der Schnittstellen der Meldewesensysteme zu den Rechnungswesensystemen

Quantitativer SREP (EZB/SSM)

Die EZB hat im November 2014 die Aufsicht über die Institute in der Währungsunion übernommen. Sie wendet dabei die EU-Rechtsvorschriften und die nationalen Rechtsvorschriften an. In Deutschland sind dies neben dem KWG vor allem auch die MaRisk. Dieser Schritt des „Level the playing field“ wird durch den Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) nach Art. 97 CRD IV unterstützt. Damit soll eine gemeinsame Basis zur Aufsicht über die Institute gelegt werden.

Der SREP erweitert dabei den Fokus der Aufsicht über die Elemente des ICAAPs hinaus auf die Risiko- und Geschäftsstrukturen. Die Institute werden dabei in vier Kategorien unterteilt, nach denen sich die Aufsichtsintensität richtet:

  • Große oder systemisch bedeutende Banken
  • Große bis mittelgroße Banken mit grenzüberschreitendem Geschäft und verschiedenen Geschäftsarten
  • Kleine bis mittelgroße, inländische Banken
  • Kleine inländische Banken mit wenig Komplexität

Die Aufsicht bewertet anhand eines Scoringmodells in den vier Kategorien das Institut:

  • Analyse des Geschäftsmodells
  • Bewertung der Governance sowie des Kontrollsystems
  • Bewertung von Risiken für das Kapital und dessen Angemessenheit
  • Bewertung von Risiken für die Liquidität und Refinanzierung

Die Scores können dabei Werte zwischen 1 (kein erkennbares Risiko) und 4 (hohes Risiko) annehmen. Auf Basis dieser Score-Werte können die zuständigen Behörden u. a. Kapitalzuschläge oder zusätzliche Liquiditätspuffer verlangen.

Die Scores sollen dabei eine Vergleichbarkeit der Institute gewährleisten, vernachlässigen aber leicht Besonderheiten, da sie nur relativ grob eingeteilt sind und Vorgaben zur Punktevergabe sind in der Regel und auch hier immer zu diskutieren. Zudem werden die Scores nach bisherigen Erfahrungen restriktiv vergeben. Mit der Aufsicht hier ein gemeinsames Bild von Geschäft- und Risiko zu bekommen, muss Ziel der Prüfungsvorbereitung und –begleitung sein.

Granulare Kreditdaten / Analytical Credit Dataset – Testphase ab 1.7.2017, Einführung wahrscheinlich ab 2018

Die EZB hat im Jahre 2008 begonnen erste Schritte für ein sehr viel granulareres Erhebungsverfahren von (Mikro-) Daten zu gehen, als es das Meldewesen bislang erfordert. Voraussichtlich 2018 werden die Meldungen basierend auf dem EZB-Beschluss vom 24.02.2014 zu erfolgen haben. Hier werden nicht nur höhere Meldefrequenzen, sondern auch niedrigere Meldegrenzen mit voraussichtlich 25.000 € je Kreditnehmer (über alle Kredite, die von AnaCredit erfasst sind) und 100 € je Problemkredit Einzug halten. Die Daten sind voraussichtlich gestaffelt nach Datenbedeutung (Stammdaten – bei Änderung, bestimmte Attribute quartalweise und übrige Attribute monatlich) zu melden.

Der Meldepflicht wird vermutlich auf jedem einzelnen Kredit beruhen, unter dem dann neben Krediten, Kreditderivate, außerbilanzielle Geschäfte und alle kreditrisikobehafteten Finanzinstrumente, die nicht zu melden sind nach gemäß SHS-Verordnung EZB/2012/24, verstanden werden wird.

Die Banken müssen damit ihre Prozesse und vor allem Systeme darauf vorbereiten, sehr zeitnah und mit hoher Aktualität Daten in einer dem Meldewesen angepassten Qualität zu liefern. Dieses Thema betrifft damit nicht nur das Meldewesen selbst, sondern alle Datenowner bis zum Kundenerstkontakt.

RFC Professionals und Basel IV

Es zeigt sich mit Basel IV der Trend, Regeln weiter zu vereinheitlichen zwischen Staaten und zwischen den anwendenden Instituten. Jedes Institut muss dabei bestrebt sein, das Proportionalitätsprinzip noch leben zu können, um ausreichend Spielraum im Geschäft und für die Geschäftsentwicklung behalten zu können.

Der Ansatz von RFC Professionals zur Umsetzung von Basel IV folgt dabei diesem Grundgedanken. Wir helfen Ihnen Basel IV für Ihr Haus umzusetzen und Ihre individuellen Lösungen zu finden, zu implementieren und begleiten Sie in Ihre Prüfungen. Sprechen Sie uns gerne an.

Daniel Jürgens

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