Granulare Kreditdaten / Analytical Credit Dataset (AnaCredit) – Chance oder nur Aufwand?

Die EZB hat im Jahre 2008 begonnen, erste Schritte für ein sehr viel granulareres Erhebungsverfahren von (Mikro-) Daten zu gehen, als es das Meldewesen bislang erfordert. Nun hat der EZB-Rat am 18. Mai 2016 die AnaCredit-Verordnung („Regulation of the European Central Bank on the collection of granular credit and credit risk data“) beschlossen. Mit diesem Beschluss gab es verglichen mit dem ursprünglichen Beschluss aus 2014 Erleichterungen der Meldepflicht, die vor allem kleine Institute betreffen.

Ab September 2018 als nun fester Startzeitpunkt werden die Meldungen der Kreditinstitute zu erfolgen haben. Es werden nun lediglich 89 Attribute zu Krediten und Kreditrisiken abgefragt. Hier werden nicht nur höhere Meldefrequenzen als vor AnaCredit, sondern auch niedrigere Meldegrenzen mit voraussichtlich 25.000 € je Kreditnehmer (über alle Kredite, die von AnaCredit erfasst sind) eingeführt. Die verringerte Meldeschwelle von je 100 € je Problemkredit wird jedoch keinen Einzug halten. Die Erleichterungen für die kleinen nationalen Institute finden sich bei einer Vorankündigungsfrist von 18 Monate für eine Datenlieferung. Weiterhin können diese Institute, die weniger als 2 % des nationalen Meldeumfangs von AnaCredit ausmachen, für zwei Jahre von der monatlichen Berichtspflicht freigestellt werden. Bei den bislang bereits vorgesehenen Implementierungsphasen wurde nun lediglich der Umfang der ersten Phase definiert. Hier sind Kredite an Institute und nicht-natürliche Personen zu melden. Für ggf. weitere Phasen mit mehr Meldepflichten ist nun eine Umsetzungsfrist von mindestens zwei Jahren fixiert.

Die Meldepflicht wird auf einzelnen Krediten beruhen. Als Kredit werden dabei auch Kreditderivate, außerbilanzielle Geschäfte und alle kreditrisikobehafteten Finanzinstrumente, die gemäß SHS-Verordnung EZB/2012/24 nicht zu melden sind, verstanden werden.

Als Ergebnis müssen die Banken ihre Prozesse und vor allem Systeme darauf vorbereiten, sehr zeitnah und mit hoher Aktualität Daten in einer dem Meldewesen angepassten Qualität und Granularität zu liefern. Dieses Thema betrifft damit nicht nur das Meldewesen selbst, sondern alle Datenowner bis hin zum Kundenerstkontakt.

Die im Aufbau der erforderlichen Datenbanken und Meldewesenstrukturen sehr aufwendigen Vorbereitungsprojekte sollten von den Banken wie alle aufsichtsrechtlichen Themen auch unter den Aspekten der Verbesserung des eigenen Risikomanagements und –reportings gesehen werden. Es mag hoffungsvoll erscheinen, wenn die EZB mit AnaCredit ein langfristiges Rahmenwerk der Meldeanforderungen verspricht, doch richten wir den Blick auf die bankeigenen Anforderungen. Hier erwartet die Bundesbank Vorteile von einer Umsetzung. Im Einklang mit den Zielen von BCBS 239 kann die Anzahl der verschiedenen Datenquellen eines Hauses reduziert werden. Eine zentrale Datenbank mit konsistentem Datenhaushalt bietet sich damit doppelt an. Die Gefahr von Dateninkonsistenzen lässt sich auf diese Weise erheblich reduzieren. Diese Datenbank oder Datensammlung des Hauses ließe sich für sämtliche Auswertungen bzw. Reports nutzen, die bisher regelmäßig aus mehreren Quellen gespeist wurden. Diverse Berichte des Risikomanagements, des Risikocontrollings und des externen Meldewesens könnten aus einer Quelle bedient werden. Es ist damit zu rechnen, dass dies zur Fähigkeit einer schnelleren und flexibleren Berichtserstellung führen wird. Aus Sicht der Aufsicht werden statistische und aufsichtsrechtliche Daten in einer Datenbank und Meldung zusammengeführt.

Die Kreditinstitute sollten Synergieeffekte der AnaCredit-Umsetzung und anderer Projekte identifizieren und nutzen. Dazu werden zunächst die internen Anforderungen an die Risikoberichterstattung im Rahmen der Umsetzung der Meldewesenerfordernisse erhoben. Das Projekt AnaCredit ist damit keines mehr, welches nur im Bereich des Meldewesens verantwortet werden kann. Im ersten Schritt sollten jene Bereiche identifiziert werden, die Stakeholder sind, also Berichterstatter oder -empfänger der Auswertungen sind. In enger Abstimmung mit den Anforderungen aus BCBS 239 wird zusammen mit den Datenownern die notwendige Datenqualität hergestellt. Die Datenowner sind sowohl für AnaCredit als auch im Rahmen der Umsetzung von BCBS 239 Schlüssel zur Datenqualität. Ihre Einbindung ist nicht zuletzt um ein bereichsübergreifendes gemeinsames Verständnis zu schaffen unabdingbar. Weitere Anknüpfungspunkte und damit eine Chance, sinnvoll Projekte zu verbinden, bietet die Umsetzung der erweiterten FinRep-Anforderungen auf Einzelinstitutsebene. Auch hier sind regelmäßige standardisierte Meldungen abzugeben, die damit einen definierten Umfang aufweisen und sich gut aus einer gemeinsamen Datensammlung berichten lassen. Die Anforderungen an diese Datensammlung werden über alle Projekte abgestimmt und weisen damit die gleiche hohe Qualität auf.

Als Professionals von RFC sehen wir in diesem Thema den Bedarf und die Möglichkeit, die granulare Kreditdatenmeldung so zu definieren, dass Sie neben den externen Anforderungen auch die internen Bedürfnisse des Hauses erfüllen. Beim Aufbau der Prozesse und Datenbanken zur Meldeerstellung und zur weiteren Nutzung der Daten im Hause unterstützen wir Sie gerne.

Daniel Jürgens

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