Best Practice einer Risikoinventur von Versicherern

Die Risikoinventur ist der Beginn jeden Risikomanagementprozesses. Sie dient als Basis für die weiteren Phasen im klassischen Vorgehen des Risikomanagements der Bewertung und Steuerung von Risiken. Aufgrund der großen Bedeutung der Risikoidentifikation sehen die MaRisk VA nach 7.3.2.1 eine Risikoidentifikation vor, bei der „alle Risiken [..] im Unternehmen konsistent zu definieren sowie strukturiert und systematisch unternehmensweit (in allen betrieblichen Prozessen, Funktionsbereichen und auf allen Hierarchieebenen) zeitnah aufzunehmen und zu klassifizieren“ sind. Darüber hinaus sind Wesentlichkeitsgrenzen für die Risikobeurteilung zu definieren und wesentliche Risikotreiber auch mit ihren Abhängigkeiten zu identifizieren.

Es gibt damit gute Gründe, ein strukturiertes Vorgehen zur Erfüllung der Anforderungen zu wählen. Die Darstellung der folgenden Lösung soll den Best Practice Ansatz mit den wichtigsten Punkten in den drei verschiedenen Phasen der Risikoinventur für Versicherer aufzeigen.

1. Risikoidentifikation
Eine Risikomatrix zeigt alle Risiken auf, denen ein Versicherer ausgesetzt sein kann. Die Risiken werden kategorisiert, so dass von einer übergeordneten Ebene des Risikos (z.B. Marktrisiko) auf darunterliegende Risiken (z.B. Währungsrisiko) heruntergebrochen werden kann. Neben der Kategorisierung ist eine Definition der Risiken vorgegeben. Die Risikomatrix dient somit dem Abgleich der Risikodefinition mit der Risikosituation des Versicherers zur Identifikation von Risiken. Hierbei sind alle Risiken zu erfassen. Das Befüllen der Matrix sollte durch Rückblick auf bereits verwirklichte Risiken erfolgen. Eine Qualitätskontrolle, um die Vollständigkeit der Risikoidentifikation zu gewährleisten rundet die Risikoinventur ab. Eine expertenbasierte Betrachtung der Geschäftsfelder und der Produktpalette kann, bestenfalls von bisher nicht mit der Risikoinventur befassten Personen vorgenommen, helfen neue Risiken zu identifizieren.

2. Wesentlichkeitsanalyse
Die Wesentlichkeitsanalyse dient der Feststellung, ob das Risiko ein wesentliches Risiko im Sinne der MaRisk ist, nicht der genauen Quantifizierung der Risiken. Sie ermöglicht die Aussage, ob Risiken eine festzulegende Schwelle der Wesentlichkeit überschreiten. Diese Schwelle sollte so eingerichtet werden, dass mit ihrer Hilfe im Risikomanagementprozess eine Differenzierung der Bearbeitungsintensität der Risiken ermöglicht werden kann. Sie kann mit Hilfe einer Punkteskala gemessen werden. Die Punkte der Skala werden sinnvollerweise über Größen ermittelt, die auch zur Steuerung der Vermögens-, Ertrags- und Liquiditätslage sowie der Risiken genutzt werden. Für die Risiken sind je nach Risikoart unterschiedliche quantitative und auch qualitative Größen sinnvoll.

3. Angemessenheitsanalyse
Die Angemessenheitsanalyse soll Lücken zwischen der Bedeutung des Risikos und eines dieser Bedeutung des Risikos entsprechenden Managements aufzeigen. Dazu ist der aktuelle Stand des Risikomanagements zu bewerten und mit der Bedeutung der im Vorschritt eingewerteten Risiken zu vergleichen. Der Vergleich auf einer Punktskala mit gleicher Höhe, wie die der Risikowesentlichkeitsbeurteilung bietet sich an. Zur Beurteilung des aktuellen Stands des Risikomanagements sind die Teilabschnitte des Risikomanagementsystems zu bewerten. Hier sind mindestens Risikomessung, -überwachung, -reporting, und –steuerung zu bearbeiten. Handlungsbedarf besteht, wenn das Risikomanagement hinter der Bedeutung der Risiken zurückbleibt. Der zu tolerierende Abstand zwischen Bedeutung des Risikos und Stand des Risikomanagements sollte vorab definiert sein. Als Professionals von RFC sehen wir in diesem Thema den Bedarf, den Risikoinventurprozess so zu definieren, dass die einzelnen Schritte in systematischer Weise und in nachprüfbarer und gleichbleibend hoher Qualität mindestens jährlich durchgeführt werden kann. Bei der Entwicklung der notwendigen Instrumente der Risikoinventur unterstützen wir Sie gerne.

Daniel Jürgens

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