Whisteblowing wird verpflichtend bei Versicherungen

Derzeit laufen Gespräche und Verhandlungen zum Thema Whisteblowing bei Versicherungen innerhalb der gesetzgebenden Organe und der Versicherungswirtschaft.

Es wird erwartet, dass ab Juli 2016 die Entwürfe soweit stehen, dass Versicherungsgesellschaften in Zukunft unternehmensintern Maßnahmen ergreifen müssen „Hinweisgebersysteme einzurichten für die Entgegennahme von Meldungen von Verstößen gegen gesetzliche Pflichten“. Die BaFin als nationale Aufsichtsbehörde wird dies voraussichtlich verpflichtend gemäß § 4d „Meldung von Verstößen; Verordnungsermächtigungen“, des FinDAG-E (Finanzdienstleistungsaufsichtsgesetzes-Entwurf), der sich aktuell in einer Novellierung befindet, anordnen. Die Meldestelle darf auch außerhalb der Versicherungsgesellschaft im Rahmen eines Outsourcings eingerichtet werden und soll für Meldungen von sämtlichen Stakeholdern verfügbar sein.

Verpflichtend zu erfassen sind dann ebenfalls Verstöße gegen das Versicherungsaufsichtsgesetz, die VAG-Verordnungen und die EU-Marktmissbrauchsverordnung sowie weitere etwaige strafbare Handlungen. Diese zusätzlichen Auflagen erfolgen in einer gesetzlichen Verankerung im derzeitigen Regierungsentwurf zum Finanzmarktnovellierungsgesetz unter §23 Absatz 6 des Versicherungsaufsichtsgesetzes-Entwurfes (VAG-E). Es wird also von zwei Seiten gleichzeitig eine gesetzliche Verankerung vorangetrieben.

Die Einrichtung eines Whisteblowing-Systems sollte nicht negativ seitens der Versicherungsbranche beurteilt werden. Es handelt sich genaugenommen um ein sehr wertvolles Asset, dass zu einer Risikoreduzierung und zugleich zu einem fortschrittlichen Denken in der Unternehmenskultur führt. Die Folge der gewollten Offenheit und der Transparenz ist eine aktive und nach außen erkennbare Konfliktfähigkeit des gesamten Unternehmens. Gesellschaften, die heute noch kein Whistleblowing eingerichtet haben riskieren, dass gewisse Missstände innerhalb des Unternehmens über soziale Medienkanäle an die Öffentlichkeit oder direkt zur Staatsanwaltschaft geleitet werden und somit der Reputation des Unternehmens sehr schaden – abgesehen von den finanziellen Schäden. Die finanziellen Schäden können bei einer frühzeitigen Aufdeckung des Missstandes häufig noch in Grenzen gehalten werden. Darüber hinaus können kriminelle Mitarbeiter erkannt werden, die dem Unternehmen schaden.

Ein Arbeitgeber tut gut daran zu erkennen, dass seine besten Aufklärer im eigenen Unternehmen sitzen. Nach wie vor ist natürlich der glaubwürdige Schutz des eigentlichen Whistleblowers in seiner Funktion als Tippgeber das A und O des Systems. Wer Bedenken hat wegen einer Tippgebung arbeitslos zu werden, wird sich mit Meldungen zurückhalten – ggfls. ein Grund mehr das Thema im Outsourcing zu betreiben. Das jeweilige Management muss erkennen, dass aufzusetzende Meldestrukturen der beste Schutz gegen Bestechung und Korruption sind und ihr eigenes Risiko in Form der Managerhaftung deutlich verringern.

Gerne stehen wir Ihnen für Gespräche zur Verfügung wie ein Whistleblowing System in ihrem Unternehmen aufgebaut werden kann. Nicht die geplante Gesetzesnovelle sollte hier der Auslöser für eine Implementierung sein, sondern der Schutz des Unternehmens.

Alexander Wolf

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