Prüfungsschwerpunkte der Aufsicht für Versicherungen 2018 und 2019

Transparente Aufsicht – BaFin gibt Informationen aus vergangenen Prüfungen 2018

Im BaFin Journal 2/2019 veröffentlicht die Aufsichtsbehörde im Rahmen eines Artikels unter dem Namen „Transparente Aufsicht“ Informationen zu Prüfungsschwerpunkten 2018 und gibt einen Ausblick auf zukünftige Prüfungen bei Versicherungsunternehmen für das laufende Jahr. Die wichtigsten Informationen zu den 7 Schwerpunktprüfungspunkten haben wir Ihnen in unserem Blog zum Thema zusammengefasst.

Intensivierte Beobachtung der Prämien sowie der Schaden- und Ergebnisentwicklung bei der Schaden-/Unfallversicherung

Die Aufsichtsbehörde vermutet aktuell, das einzelne Assekuranzunternehmen im Rahmen des Wettbewerbs als auch eines eventuell schwachen Finanzbackrounds dem zukünftigen Druck nicht gewachsen sind und aufgrund von steigenden Schadenentwicklungen und geringen Margen Probleme bekommen im Hinblick auf Entschädigungsleistungen.

In diesem Zusammenhang wurde eine neue Prüfungs-Software seitens der BaFin eingesetzt, die vor allem eine jahresübergreifende Analyse der Prämienentwicklung, der Schadensverläufe und der Ergebnisse durchführt. Mit deren Hilfe erfolgen Zeitreihenanalysen und grafische Darstellungen der Historie als auch von Prognosen. Diese Software wird auch im Jahr 2019 bei Prüfungen zum Einsatz kommen.

Verstärkte Prüfung von Schadenrückstellungen bei ausgewählten Schaden-/Unfallversicherern

Ebenfalls eine neue Software setzt die BaFin zur Analyse der Berechnung der versicherungstechnischen Rückstellungen und deren korrekten Ausweis in der Solvabilitätsübersicht ein. Diese Rückstellungen müssen bekanntlich mit dem Übertragungswert angesetzt werden, der sich aus dem besten Schätzwert und der Risikomarge zusammensetzt. Auffälligkeiten können mit der Software somit sehr schnell identifiziert werden. Festgestellt wurde bei den Prüfungen 2018, dass die Versicherer nicht detailliert darlegen konnten, ob die Daten einer gewissen Angemessenheit, einer Exaktheit und vor allem vollständig sind. Hier erfolgten eindeutige Hinweise an die betroffenen Versicherer, dass dies in Zukunft verbessert werden muss.

Prüfung der Cyber-Sicherheit bei ausgewählten Versicherungsunternehmen

Die immer stärkere Entwicklung hin zum Thema Digitalisierung hat auch die Prüfungsschwerpunkte erreicht. Aufgrund dessen wurde extra eine Prüfungsgruppe IT-Aufsicht im Jahr 2018 gegründet. Zur Prüfung gelangt vor allem die folgerichtige Umsetzung des Rundschreibens 10/2018 „Versicherungsaufsichtliche Anforderungen an die IT (VAIT)“. Lesen Sie zu diesem Thema hierzu auch unseren separaten Blog zum Thema VAIT. Insbesondere in den Jahren 2018 und folgende werden hier weiter verstärkt Prüfungen seitens der Aufsicht durchgeführt.

Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage von Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds

Bei diesem Thema geht es den Prüfern vor Allem um getroffene Risikovorsorgen für Geschäfte die Werte auf Sicht vernichten könnten durch kurzfristig veränderte Rahmenbedingungen, ethisch soziale Umwälzungen, Verdrängung von etablierten Technologien, veränderte politische Rahmenbedingungen, aber auch natürlich weiterhin um physische Risiken, wie etwa Wetterereignisse. Auch wurde hier die Auswirkung von Anlageentscheidungen analysiert. Dies vor dem Hintergrund, dass Versicherer aufgrund ihres großen Investitionsvolumens eine große Bedeutung für den gesamten Kapitalmarkt haben.

Analyse eines veränderten Verhaltens der Versicherer und Pensionsfonds in der Neuanlage

Neu- und Wiederanlage von Vermögensanlagen waren ebenfalls Schwerpunkt der Aufsicht im vergangenen Jahr. Anleihen in Unternehmen und Staaten bildeten wie in den Vorjahren die Anlageschwerpunkte der Assekuranz. Festgestellt wurde dabei, dass verschieden große Unternehmen auch verschiedenartige Anlageschwerpunkte aufweisen. Kleine Unternehmen in Private Equity und Private Debt, größere Unternehmen eher in Infrastrukturanlagen. Insgesamt wurde innerhalb der Branche der Immobilienbestand moderat ausgebaut.

Auswertung des regelmäßigen aufsichtlichen Berichts

Die Qualität des regelmäßigen aufsichtsrechtlichen Berichts (Regular Supervisory Report – RSR), der Informationen zu der Geschäftstätigkeit und dem Geschäftsergebnis, dem Governance-System, dem Risikoprofil, der Bewertung für Solvabilitätszwecke und zum Kapitalmanagement beinhaltet, lässt weiterhin zu wünschen übrig, auch wenn es wesentliche Verbesserungen im Informationsgehalt zu verzeichnen gibt. Insofern ist die Qualitätssteigerung weiterhin im Fokus der Aufsicht für anstehende Prüfungen. Aus diesem Grund wurden extra auch Hinweise zum Berichtswesen für Versicherer seitens der BaFin veröffentlicht.

Vertiefte Prüfung, wie die Standardformelanwender unter den Versicherern bei der Bewertung versicherungstechnischer Rückstellungen mit ökonomischen Szenariogeneratoren umgehen

Wenn die versicherungstechnischen Rückstellungen unter Solvency II bewertet werden sollen, bedarf dies der Kenntnisse der Höhe der zukünftigen Zahlungen im Schadensbereich. Da dies schwierig ist, simulieren Versicherer mehrere tausend ökonomische Kapitalmarktszenarien und untersuchen die Auswirkungen auf die Kapitalerträge. Diese eigenen Szenariengeneratoren der Versicherer wurden untersucht, es zeigte sich, dass der regulatorische Rahmen hier Detailfragen nicht beantwortet. Der Spielraum der Definitionen lässt somit zu großen Unterschieden in den Erkenntnissen kommen.

Ausblick auf die Prüfungsschwerpunkte des Jahres 2019 für Versicherer seitens der BaFin

Auch für das Jahr 2019 hat die Aufsichtsbehörde BaFin bereits Schwerpunkte gesetzt und diese auch bereits veröffentlicht. Wir haben den Link hier für Sie hinterlegt: Schwerpunkte 2019, dennoch möchten wir auch hier die Punkte in Kurzform aufführen:

  • Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage von Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds
  • Analyse eines möglichen sog. Search for Yield – Verhaltens der Versicherungsunternehmen /Pensionsfonds in der Neuanlage von Kapitalanlagen
  • Intensivierte Beobachtung der Prämiensituation der Rückversicherer im Bereich Nicht-Leben
  • Prüfung von „versteckten“ (sog „Non-affirmative“) Cyber Risiken in Versicherungspolicen
  • Durchführung von Prüfungen der stochastischen Bewertungsmodelle (SUM/BSM) von Lebensversicherungsunternehmen mit Standardformel
  • Vertiefte Prüfung, wie Versicherungsunternehmen, die die Standardformel anwenden, im Rahmen der Bewertung mit ESGs (economic scenario generators) umgehen
  • Prüfung und Qualitätssicherung von versicherungstechnischen Rückstellungen in der Solvabilitätsübersicht bei Schaden-/Unfallversicherungsunternehmen
  • Ausarbeitung zur effizienten Ermittlung einer risikogerechten Kapitalunterlegung durch Nutzung des Aufsichtsinstruments „Kapitalzuschläge“- Capital Add-on

Darüber hinaus werden die folgenden mehrjährigen Themen auch in 2019 weiterverfolgt:

  • Wahrung der Belange der Lebensversicherten bei Run off inkl. Inhaberkontrollverfahren – Servicequalität bei Abwicklungsunternehmen
  • Weiterer Umgang mit dem Niedrigzinsumfeld bei LVU und PK – Fortsetzung der intensivierten Aufsicht
  • Praktische Ausgestaltung der gesetzlichen Informationspflichten der Versicherer bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und der Abschlussprüfer bei bestandsgefährdenden Risiken
  • Vorbereitung der Überprüfungsverfahren von Solvency II (Long Term Guarantees-Review, S II-Review 2020)

Die Experten von RFC-Professionals begleiten seit vielen Jahren effizient und erfolgreich die Implementierung von aufsichtsrechtlichen Anforderungen und unterstützen durch eigene Tools Versicherer und Finanzdienstleister. Mit unserem VAIT Analyse-Tool als auch dem neuen RFC Regulyzer (regulatorisches Screening mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz), sehen wir uns hier als Ansprechpartner der ersten Wahl für Sie. Sprechen Sie uns gerne an.


Alexander Wolf

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