PRIIPS (PACKAGED RETAIL AND INSURANCE-BASED INVESTMENT PRODUCTS)

Bereits im Dezember 2014 wurde die PRIIPS Verordnung veröffentlicht, seit Anfang November 2016 steht fest, dass der ursprünglich geplante Start von Anfang 2017 auf Anfang 2018 verschoben wird.

Ziel der Verordnung ist es, einen neuen Informationsstandard für alle „verpackten Anlageprodukte“ zu schaffen. „Verpackte“ Produkte sind Anlageformen, bei denen die Kundengelder indirekt am Kapitalmarkt angelegt werden bzw. deren Anspruch auf Rückzahlung an die Wertentwicklung bestimmter Papiere oder Referenzwerte geknüpft sind. In erster Linie sind dies strukturierte Finanzprodukte, etwa Optionsscheine, die in Versicherungen, Wertpapiere oder Bankprodukte verpackt sind, Finanzprodukte, deren Wert sich von Referenzwerten wie Aktien oder Wechselkursen ableitet (Derivate), geschlossene und offene Investmentfonds, Versicherungsprodukte mit Anlagecharakter, wie zum Beispiel kapitalbildende und fondsgebundene Lebensversicherungen und Hybrid-Produkte, sowie Instrumente, die von Zweckgesellschaften ausgegeben werden.

Der Anwendungsbereich ist bewusst weit gefasst, um der Heterogenität der Finanzprodukte in den Mitgliedstaaten der EU gerecht zu werden. Dies verhindert, dass Anbieter die Verordnung umgehen, indem sie etwa eine bestimmte Rechtsform, Bezeichnung oder Zweckbestimmung für das Finanzprodukt wählen. Die Verbraucher erhalten nunmehr erst ab Januar 2018 für betreffende Produkte ein sogenanntes einheitliches Basisinformationsblatt zur Verfügung gestellt. Aufgebaut ist dieses Blatt nach dem Vorbild der sogenannten wesentlichen Anlageinformationen, welche bereits seit 2011 für Publikumsfonds vorgeschrieben sind.

Die Anleger werden mit dem Basisinformationsblatt – hier auch die weitläufige Bezeichnung KID’s für Key Information Documents dafür im Sinne von vorvertraglichen Informationen – über wichtige Merkmale des Produktes als auch insbesondere über deren Risiken und Kostenstrukturen informiert. Ausgenommen von der PRIIPS Anforderung sind Riester-Produkte, da bereits hier der Gesetzgeber im Jahr 2013 entsprechende Informationsblätter für den Verbraucher gefordert hat, die auch unmittelbar eingeführt wurden.

Unter Verbraucherschutzgesichtspunkten werden die PRIIPS Anforderungen sehr positiv gesehen, da sie erstmals den Verbrauchern im europäischen Raum einen direkten und genauen Vergleich von Produkten im Hinblick auf Chancen, Risiken und Kostenstrukturen ermöglichen. Ganz neu ist die Thematik nicht. Bereits seit Juli 2011 müssen Anlegern in Fonds entsprechende Informationen zur Verfügung gestellt werden. Fonds werden demnach in 7 Risikoklassen von „geringes Risiko bei potentiell geringerem Ertrag“ bis „hohes Risiko bei potentiell höherem Ertrag klassifiziert. Die Risikoklasse hängt von dem „Synthetic Risk and Reward Indicator“ (SRRI) ab, einem zentralen Bestandteil des „Basisinformationsblatt (KID)“. Dieser Risikoindikator beruht auf der Volatilität des Fonds in den letzten fünf Jahren. Je höher die Risikoklasse ist, desto größeren Schwankungen unterliegt der Fonds.

Bereits seit 2015 laufen intensive Konsultationsgespräche zwischen Anbietern auf der eine Seite und den drei zuständigen europäischen Aufsichtsbehörden ESMA (europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde, Paris), EBA (europäische Bankenaufsichtsbehörde, London) und EIOPA (europäische Versicherungsaufsichtsbehörde, Frankfurt) auf der anderen Seite, mit dem Ziel, Vorschläge für eine konkrete Ausgestaltung der Basisinformationsblätter zu sammeln. Mitte 2016 gab es hierzu bereits einen wesentlichen Meilenstein, der die technischen Regulierungsstandards vorgibt – sie wurden im Herbst als delegierte Verordnung angenommen und zur weiteren Abnahme an das EU-Parlament übergeben. Hier kam zunächst der Stopp im September 2016 in Form einer Zurückweisung was zu einem Nichtinkrafttreten der Delegierten Verordnung führt und somit eine erneute Prüfung mit sich zieht. In der Folge führte dies zur bekannten Verschiebung von Anfang 2017 auf Anfang 2018.

Betroffen von der Richtlinie sind insbesondere Versicherungsgesellschaften. Auch wenn der Start verschoben wurde, müssen bereits heute entsprechende Vorbereitungen getroffen werden um den verschärften aufsichtsrechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Es ist nicht damit getan, dass „nur“ ein Basisinformationsblatt erstellt wird. Vielmehr muss auch die generelle strategische Ausrichtung der Gesellschaft in diesem Zusammenhang mit überdacht werden, als auch eventuelle Angebotsvarianten von Produkten. Die Folge hieraus sind organisatorische Veränderungen in den Prozessabläufen als auch eine eventuelle Umgestaltung der IT-Landschaft. Welche Handlungsbedarfe konkret für Ihr Haus in Frage kommen, klären und identifizieren wir gerne gemeinsam mit Ihnen. Die Experten von RFC Professionals sind hierzu die fachlichen Ansprechpartner für Sie. Wir unterstützen Sie gerne – sprechen Sie uns an.

Alexander Wolf

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