Das Network for Greening the Financial System (NGFS) veröffentlichte am 17.04.2019 seinen ersten Bericht

Das 2017 durch acht Zentralbanken gegründete Network for Greening the Financial System (NGFS) besteht inzwischen aus 34 Mitgliedern auf fünf Kontinenten. Die Mitglieder sind primär multilaterale, internationale, länderspezifische, regionale, bilaterale und nationale Entwicklungsbanken sowie kommerzielle nationale Institute. Nach intensiven Beratungen und umfangreichen Untersuchungen hat das NGFS schließlich am 17.04.2019 unter dem Titel „A call for action – Climate change as a source of financial risk“ seinen ersten umfassenden Bericht veröffentlicht.

Bereits im Fortschrittsbericht vom Oktober 2018 kamen die Mitglieder des NGFS zu dem Ergebnis, dass klimabezogene Risiken auch eine Quelle von finanziellen Risiken darstellen. Da eine der Hauptaufgaben von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden darin besteht, die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems sicherzustellen, fällt den Zentralbanken und Aufsehern im Rahmen ihres Mandats die Rolle zu, für klimabezogene Risiken mögliche Vorgaben zu entwickeln und deren Einhaltung zu überwachen.

Der nun veröffentlichte Bericht beschäftigt sich daher insbesondere mit den Auswirkungen von Klima- und Umweltrisiken auf die Finanzmärkte. Der Klimawandel wird als eine von vielen Quellen struktureller Veränderungen mit Einfluss auf das Finanzsystem gesehen. Dabei sind spezielle Charakteristiken wie die weitreichende Breite und Größenordnung der Auswirkungen, Irreversibilität und Abhängigkeit von kurzfristigen Maßnahmen zu berücksichtigen.

Nach Meinung der Mitglieder des NGFS besteht aufgrund von Schwächen makroökonomischer Modelle ein hohes Risiko, dass sich klimabedingte Finanzrisiken nicht vollständig in den Bewertungen von Vermögenswerten widerspiegeln.

Das NGFS hat daher sechs Empfehlungen hinsichtlich des Managements von Klima- und Umwelt-risiken erarbeitet. Diese beinhalten vier mögliche Vorgehensweisen (Best Practices) für Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, über die der Finanzsektor einen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele leisten kann. Zusätzlich werden noch zwei Empfehlungen an den jeweiligen Gesetzgeber gerichtet.

Die folgenden beiden Abbildungen geben einen Überblick zu den wesentlichen Inhalten der Empfehlungen.


Abbildung 1: Empfehlungen 1 – 4 für Zentralbanken und Aufsichtsbehörden


Abbildung 2: Empfehlungen 5 – 6 für die Gesetzgeber

Der Bericht enthält neben den Empfehlungen noch eine detaillierte Darstellung zu den jeweiligen Hintergründen, Zielsetzungen und Umsetzungsmöglichkeiten.

Das NGSF wird seine Arbeit so lange fortsetzen, wie es zur Erreichung des Ziels einer adäquaten Berücksichtigung von klima- und umweltbedingten Risiken im Rahmen der finanziellen Risiken notwendig und sinnvoll erscheint. Zuvor ist nach eigenen Angaben jedoch noch eine beträchtliche Menge an analytischer Arbeit erforderlich, um Zentralbanken und Aufsichtsbehörden mit geeigneten Instrumenten und Methoden zur Identifikation, Quantifizierung und Verringerung der Klimarisiken im Finanzsystem auszustatten. Die Umsetzung der NGFS-Empfehlungen in Form von Richtlinien und Prozessen erfordert einen engen und spezifischen Dialog mit der Wissenschaft sowie weitere technische Arbeiten.

Konkret plant das NGFS u.a. die folgenden Schritte:

  • Entwicklung eines Handbuchs zum Management von klima- und umweltbezogenen Risiken für Aufsichtsbehörden und Finanzinstitute
  • Freiwillige Leitlinien zu szenariobasierten Risikoanalysen
  • Best Practices zur Integration von Nachhaltigkeitskriterien in das Management eines Zentralbank-portfolios

Aus dem Arbeitsplan des NGSF für die kommenden zwölf bis 14 Monate werden die folgenden Schwerpunktthemen deutlich:

  • Klima- und umweltbezogenes Risikomanagement in Aufsichtsbehörden und Finanzinstituten
  • Szenariobasierte Klimarisikoanalyse sowie die Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien in das Portfoliomanagement der Zentralbanken.

Das mit den Empfehlungen und dem Arbeitsplan verfolgte Ziel einer adäquaten Berücksichtigung von klima- und umweltbedingten Risiken in das Management finanzieller Risiken von Finanzinstituten führt zu umfangreichen Herausforderungen und Implikationen, insbesondere für Geschäftsbereiche wie Treasury, Risikomanagement und -controlling, Rechnungswesen, Prozessorganisation, Interne Revision, IT- und Datenmanagement.

Sehr gerne diskutieren die Experten von RFC Professionals mit Ihnen die aus den nun veröffentlichten Empfehlungen abzuleitenden Handlungsnotwendigkeiten und Herausforderungen im Kontext „Green Finance“ und Nachhaltigkeit. Sprechen Sie uns gerne jederzeit dazu an!

Matthias Oßmann

Matthias
Oßmann

Sandra Schmolz

Sandra
Schmolz

Dringlichkeit

Umsetzungsaufwand

Auswirkungen