MaComp: Wesentliche Änderungen für das Wertpapier und Depotgeschäft

Zweck der MaComp (Mindestanforderungen an die Compliance-Funktion und weitere Verhaltens-, Organisations- und Transparenzpflichten) sind die transparente Darstellung der Verwaltungspraxis der BaFin hinsichtlich Pflichten in Bezug auf nationale und europäische regulatorische Vorgaben für Wertpapierdienstleistungen. Eine Überarbeitung der MaComp durch die BaFin wurde aufgrund der Neuerungen und Änderungen durch MiFID II erforderlich. Die Neufassung der MaComp vom 19. April 2018 beinhaltet auch die Änderungen aufgrund des 2. FiMaNoGs vom 3. Januar 2018.

Die MaComp gliedern sich in insgesamt 23 Module (9 im AT: Allgemeine Anforderungen für Wertpapierdienstleistungsunternehmen und 14 im BT: Besondere Anforderungen nach §§ 63 ff. WpHG) und berücksichtigen auf Basis von MIFID II Folgendes:

  1. Anpassung an die Vorschriften des überarbeiteten WpHG, der neu gefassten WpDVerOV und der unmittelbar anwendbaren Delegierten Verordnung (EU) 2017/565
  2. Umsetzung der Vorgaben der ESMA in verschiedenen Leitlinien (Guidelines)

Die MaComp Neuerungen durch MiFID II lassen sich in sieben Handlungsfelder unterteilen:



Abbildung 1


  1. Product Governance:
  2. Die Product-Governance-Anforderungen (BT 5) mit Verwaltungshinweisen in Bezug auf die Erbringung von Wertpapier(neben)dienstleistungen sind an die Konzepteure von Finanzinstrumenten gerichtet. Diese sind gem. WpDVerOV Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die Produkte neu schaffen, entwickeln, begeben oder gestalten. Davon zu unterscheiden sind Vertriebsunternehmen, die als Wertpapierdienstleistungsunternehmen Produkte verkaufen, vertreiben, anbieten, empfehlen oder vermarkten. Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die für ein Finanzinstrument als Konzepteur und als Vertriebsunternehmen anzusehen sind, haben die Vorgaben des BT 5 bei Deckungsgleichheit nur einmal zu berücksichtigten.

    Das Prinzip „Product Governance“ soll miss-selling von Finanzprodukten an die falschen Anleger ausschließen und Emittenten verpflichten, für jedes ihrer Produkte geeignete Zielmärkte zu definieren, damit die Produkte nur an die richtigen Zielmarktkunden vertrieben werden.

  3. Zielmarktkategorien:
  4. Es wird unterschieden zwischen dem abstrakten (BT 5.2.1.) und dem konkreten (BT 5.3.3.) Zielmarkt. Daher müssen Anbieter für jedes Produkt den Zielmarkt bestimmen und dabei Folgendes berücksichtigen: Kundenkategorie, Kundentypus, Kenntnisse und Erfahrungen des Zielkunden, finanzielle Situation des Kunden mit Fokus auf Verlusttragfähigkeit, Vereinbarkeit des Risiko-Rendite-Profils des Produktes mit dem Zielkunden sowie Anlageziele und Bedürfnisse des Kunden. Die Bestimmung des abstrakten bzw. konkreten Zielmarktes soll sich produktbezogen auf die „Endkunden” am Ende einer Vertriebskette beziehen. Wird ein Produkt ausschließlich an professionelle Kunden vertrieben, sind die Anforderungen geringer. Diese professionellen Kunden werden unterteilt in geborene (grundsätzlich professionelle Kunden) und gekorene (Privatkunden und Körperschaften des öffentlichen Rechts, die die Einstufung und Behandlung als professioneller Kunde beantragen).

    Die Zielmarktbestimmung gilt auch für den Vertrieb, basierend auf den Grundsätzen für die Zielmarktbestimmung bei Konzepteuren. Dies erfolgt durch eine Analyse des Kundenstamms durch den Vertrieb, bei der Folgendes geprüft werden soll: Übereinstimmung des Zielmarkts des Konzepteurs mit dem eigenen Kundenkreis für das jeweilige Produkt; Sicherstellung, dass das Produkt im Einklang mit dem konkreten Zielmarkt vertrieben wird; Berücksichtigung der Vertriebsstrategie des Konzepteurs in der eigenen Vertriebsstrategie; Hinweis in der abstrakten bzw. konkreten Zielmarktbeschreibung auf die Zielkunden, mit denen das Produkt vereinbar ist („positiver Zielmarkt“) sowie nicht vereinbar ist („negativer Zielmarkt“).

  5. Zuwendung:
  6. Der Anlegerschutz führt zu verschärften Regeln im Vertrieb von Finanzprodukten inklusive Fonds. Vermittler dieser Produkte müssen EU-weit offenlegen, ob sie entweder unabhängig beraten oder Provisionen erhalten. Zuwendungen bei der Anlageberatung wegen Qualitätsverbesserung sind nunmehr erlaubt. (Bis zum 03.01.2018 galt ein Zuwendungsverbot, da die Ausnahmeregelung der erlaubten Zuwendung bei Qualitätsverbesserung zeitlich begrenzt war.)

    Zuwendungen müssen wie folgt dokumentiert werden:

    1. Zuwendungen, die Wertpapierdienstleistungsunternehmen im Zusammenhang mit der Erbringung von Wertpapier(neben)dienstleistungen von Dritten annehmen sind in einem unternehmensinternen Zuwendungsverzeichnis fortlaufend zu erfassen.
    2. In einem Verwendungsverzeichnis soll eine Aufschlüsselung für die Qualitätsverbesserungen bei der Anlageberatung aufgeführt sein. Eine Qualitätsverbesserung liegt u.a. dann vor, wenn die Anlageberatung eine breite Palette geeigneter Finanzinstrumente beinhaltet, also neben „nicht komplexen“ auch „komplexe“ Finanzinstrumente.
  7. Professionelle Kunden:
  8. Die Anforderungen an eine redliche, eindeutige und nicht irreführende Information wurde aufgrund MiFID II jetzt auch auf professionelle Kunden ausgedehnt. Von professionellen Kunden wird ausgegangen, wenn sie im Aus- oder Inland eine anerkannte Zulassung erhalten haben oder der Überwachung der Aufsicht unterliegen. Darüber hinaus zählen Großunternehmen dazu, die auf Unternehmensebene mindestens zwei der nachfolgenden Eigenschaften aufweisen: a) Bilanzsumme mind. EUR 20 Mio.; b) Nettoumsatz mind. EUR 40 Mio.; c) Eigenmittel mind. EUR 2 Mio.

  9. Mitarbeiterqualifikation:
  10. Die neuen MaComp enthalten jetzt in einem Modul (BT 11) zusammengefasst die fachlichen Anforderungen an die Mitarbeiter. Danach sollen Institute mindestens einmal im Jahr überprüfen und bewerten, ob die Mitarbeiter über die notwendigen Qualifikationen verfügen und sich weiterbilden, insbesondere, wenn aufgrund neuer Investmentprodukte des Instituts eine Fortbildung der Mitarbeiter notwendig ist.

  11. Beschwerdemanagement:
  12. Das Modul zum Beschwerdemanagement und -bericht konkretisiert die Beschwerdeabwicklung für den Wertpapierhandel und das Bankwesen im Bereich WpHG. Ein internes Beschwerderegister soll gemäß Abschnitt BT 12.1 geführt werden. In BT 12.2 sind die Anforderungen an den neuen Beschwerdebericht aufgeführt, der am 01.03.2019 erstmalig (danach jährlich) elektronisch an die BaFin einzureichen ist und die Beschwerden des vorangegangenen Kalenderjahres beinhalten muss (gem. Muster in Anlage zu BT 12.2).

  13. Komplexe Schuldtitel und strukturierte Einlagen:
  14. Das Modul BT 13 legt Beurteilungskriterien hinsichtlich der Einstufung fest. Dabei ist zu bewerten, ob Schuldtitel oder strukturierte Einlagen eine Struktur aufweisen, die es Kunden erschwert, die damit verbundenen Risiken zu verstehen bzw. das Ertragsrisiko oder die Kosten eines Verkaufs vor Fälligkeit einzuschätzen. Als „nicht komplex“ sind u.a. Schuldverschreibungen und verbriefte Schuldtitel (ohne eingebettetes Derivat) zu verstehen, die an einem regulierten Markt gehandelt werden. Strukturierte Einlagen unterliegen nunmehr dem Anwendungsbereich der MiFID II.

Handlungsfahrplan von RFC Professionals für das Wertpapier und Depotgeschäft

Die neuen MaComp haben Auswirkungen auf das Geschäftsmodell, die Geschäftspolitik, die Unternehmensstrategie, sowie die Compliance-Organisation und die IT.

Diese Auswirkungen sind im Rahmen einer Gap-Analyse institutsspezifisch zu ermitteln und die daraus resultierenden Handlungsfelder zu definieren und zu planen.

In einem weiteren Schritt müssen die Anforderungen an die Prozesse, Organisation und internen Richtlinien analysiert und die Anpassungen implementiert werden, unter Beachtung und Einbeziehung von internen und externen Schnittstellen.

Die neuen Anforderungen und Prozesse müssen fachliche und technische Tests durch diverse Einheiten innerhalb der Organisation durchlaufen und das Personal fachkundig geschult werden.

Die Fachexperten von RFC Professionals beraten seit vielen Jahren Finanzinstitute in Compliance-Themenstellungen. Wir unterstützen Sie gerne bei der Umsetzung der neuen MaComp. Sprechen Sie uns an!


Ihre Ansprechpartner erreichen Sie gerne per Mail.

Henrik Hansen

Henrik
Hansen

Dringlichkeit

Umsetzungsaufwand

Auswirkungen