Liquiditätsstresstests von Kapitalverwaltungsgesellschaften

Am 13.10.2017 hat die BaFin einen Bericht mit Empfehlungen zur Ausgestaltung von Liquiditätsstresstests deutscher Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) veröffentlicht. Die Publikation steht im Zusammenhang mit zunehmenden Diskussionen in der Branche über die Rolle von Stresstests im Liquiditätsmanagement von KGVen. Diese Diskussionen korrespondieren mit verstärktem Interesse europäischer (ESRB, ESMA) sowie weiterer internationaler (FSB) Gremien. Laut BaFin besteht das vorrangige Ziel des Papieres darin, den im Sommer 2017 erhobenen Status quo vorzustellen, sowie präventive Maßnahmen gegen Liquiditätskrisen zu betrachten. Marktteilnehmer können bis zum 27.10.2017 Stellung nehmen.

Hintergrund der verstärkten Diskussion sind aus makroökonomischer Perspektive sogenannte Liquiditätsspiralen. Solche Liquiditätsspiralen sind durch sich wechselseitig verstärkende Marktliquiditäts- sowie Refinanzierungsprobleme charakterisiert. Das in den letzten Jahren stetig zunehmende, verwaltete Volumen erhöht das endogene Marktliquiditätsrisiko zusätzlich.

Das folgende Szenario soll zur Veranschaulichung des Sachverhalts dienen: Es wird ein extrem hoher Fondsanteil zurückgegeben. Um die hohe Liquiditätsnachfrage bedienen zu können, muss der Fonds desinvestieren. Die Verkäufe führen zu fallenden Preisen, was wiederum Druck auf die Märkte erhöht und diese somit mit der idiosynkratischen Krise „anstecken“ kann. Diese Ansteckungseffekte können besonders gravierend ausfallen, wenn der Auslöser für die erhöhte Rückgabe der Anteile makroökonomischer Natur ist, d.h. ein sich bereits in der Krise befindlicher Markt kann weiteren Stress weitaus weniger gut kompensieren.

An geschlossene Fonds ist der Bericht nicht gerichtet, da diese (per Definition) keine Rücknahmen ihrer Anteile erlauben.

Der Bericht ist in sieben Kapitel untergliedert: Nach der Einleitung in Kapitel 1 wird eine Übersicht über die deutsche Fondslandschaft in Kapitel 2 gegeben. Kapitel 3 widmet sich Liquiditätsrisiken in Investmentfonds sowie regulatorischen und organisatorischen Anforderungen. In Kapitel 4 wird die Risikoüberwachung diskutiert; unterschieden wird in aktiv- und passivseitigem Risiko sowie dessen Quantifizierung. Kapitel 5 beschreibt Liquiditätsstresstests in Investmentfonds; unterschieden wird abermals in Stresstests auf der Aktiv- sowie Passivseite. Eine Zusammenführung beider Sichten, sowie Validierungsmöglichkeiten schließen das Kapitel ab. Kapitel 6 skizziert Risikoanalysen und Reporting. Im letzten Kapitel findet sich eine aufsichtliche Bewertung.

Die Kapitel beinhalten folgende Empfehlungen der BaFin:

  • Regelmäßige Überprüfung und Liquiditätsbeurteilung der Aktivseite
  • Tiefes Verständnis der eigenen Kundenstruktur, insbesondere deren Abzugsverhalten, idealer Weise untermauert durch eine gute, historische Datenbasis
  • Gegenüberstellung von liquiden Mittel sowie erwarteten Verbindlichkeiten: Durch Schwellwerte werden Unterdeckungen sichtbar, was ein frühzeitiges Gegensteuern erlaubt.
  • Es gibt kein „One-Size-Fits-All“ Ansatz beim Stresstesting. Analog des Proportionalitäts-prinzips im Bankensektor sind Umfang und Komplexität der Stresstesting-Operationen vom Geschäftsmodell abhängig. Bei ungenügender Datenverfügbarkeit sollte der Fokus auf qualitative Aspekte gelegt werden.
  • Regelmäßige Validierung der Stresstest und Dokumentation der Ergebnisse
  • Etablierung einer internen, stakeholdergerechten Berichtspflicht zur Liquiditätssituation
  • Implementierung eines Eskalationsprozesses

Die Experten von RFC Professionals begleiten seit vielen Jahren erfolgreich aufsichtliche Veränderungen und hieraus resultierende Anpassungen im Risikomanagement. Gerne unterstützen wir Sie bei der Bewertung Ihrer Optionen im Hinblick auf Liquiditätsstresstests.

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Sebastian Kalmbach

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