Finaler EZB Leitfaden zu notleidenden Krediten veröffentlicht

Mit Veröffentlichung am 20.03.2017 ist der finale EZB Leitfaden zum Umgang mit notleidenden Krediten (non-performing loans – NPL) in Kraft getreten. Den finalen 146 Seiten umfassenden EZB Leitfaden finden Sie unter:
https://www.bankingsupervision.europa.eu/ecb/pub/pdf/guidance_on_npl.de.pdf

Der Leitfaden richtet sich an bedeutende Institute sowie ihre ausländischen Tochterunternehmen, die direkt von der EZB beaufsichtigt werden. Die Inhalte werden im Rahmen des regelmäßigen aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) des SSM berücksichtigt, und die Nichteinhaltung seiner Bestimmungen kann zu aufsichtlichen Maßnahmen führen. Für den Leitfaden finden die Grundsätze der Proportionalität und der Wesentlichkeit (Maßstab ist hierbei der EU-Durchschnitt an NPL-Beständen) Anwendung.

Indirekt wird der Leitfaden auch seine Wirkung auf weniger bedeutende Institute (sog. Less Significant Institutions – „LSI“) entfalten, da deren SREP von dem für signifikante Instituten abgeleitet ist.

Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über die sechs wesentlichen Elemente des finalen Leitfadens. Über den Konsultationsentwurf (Konsultation vom 12.09.2016 bis zum 07.11.2016) haben wir bereits berichtet (http://www.rfc-professionals.com/rfc-blog-ezb-leitfaden-zu-notleidenden-bankkrediten/ ).

NPL Strategie

Die EZB Leitlinie gibt konkrete Vorgaben für die Entwicklung der NPL-Strategie sowie für ihre Implementierung. Die NPL-Strategie soll den Ansatz und Zielsetzung für eine effektive NPL-Steuerung enthalten und letztendlich dem termingebundenen Abbau von NPL-Beständen dienen. Banken mit hohen NPL-Beständen haben ihre Strategie und Reduzierungsmaßnahmen hierzu dem für sie zuständigen Joint Supervisory Team (JST) jährlich vorzulegen.

NPL Governance und Ablauforganisation

Aus Sicht der EZB muss eine angemessene Governance-Struktur sowie Ablauforganisation vorhanden sein, damit Banken nachhaltig und effizient ihren NPL-Herausforderungen begegnen können.

Im Rahmen des operativen Modells für NPL sollen Banken spezialisierte Abwicklungseinheiten, sog. NPL-Workout Units (WU´s) vorhalten. In der finalen Fassung des Leitfadens wird zusätzlich festgehalten, dass ungeachtet der Trennung zwischen der Kreditvergabe und WU´s, eine regelmäßige „Feedback-Schleife“ zwischen den beiden Einheiten eingerichtet werden muss, damit Informationen ausgetauscht werden und Erkenntnisse aus der Abwicklung in die Neukreditvergabe einfließen können.

Forbearance

Das Ziel von Forbearance-Maßnahmen ist es den Schuldner nachhaltig in die Lage zu versetzen seinen Verpflichtungen nachzukommen. Die EZB erwartet, dass Institute klar definierte Forbearance-Richtlinien implementieren und Kreditnehmer, deren Finanzlage nicht nachhaltig ist, zeitnah erfassen.

Der Leitfaden beinhaltet u.a. Best Practices im Hinblick auf Anforderungen an Forbearance Prozesse sowie Kapitaldiesnstfähigkeitsprüfungen. Institute müssen über detaillierte Entscheidungsbäume verfügen und Forbearance Lösungen standardisiert anbieten. Des Weiteren sollen einheitliche Angaben zu Forbearance mittels standardisierten Formularen an die Aufsicht übermittelt werden.

NPL Bewertung

Zur Sicherstellung einer einheitlichen NPL Definition, vor allem der wichtigsten Kriterien, „Überfälligkeit“ und „Unwahrscheinlichkeit des Begleichens der Verbindlichkeit“, wird auf Definitionen des ITS on Reporting [DVO (EU) Nr. 680/2014] zurückgegriffen.

Der Leitfaden erläutert die Kriterien für „Überfälligkeit“ und „Unlikely-to-pay“, den Zusammenhang zwischen NPE und Forbearance und legt strengere Kriterien für die „Gesundung“ fest.

In der finalen Fassung des Leitfadens verlangt die Aufsicht die Festlegung von genauen Kriterien für die Umgliederung notleidender gestundeter Risikopositionen. Zusätzlich sollen dabei Risikopositionen eines Schuldners, die nicht Teil der Forbearance-Maßname sind, ebenfalls berücksichtigt werden.

Wertminderungen und Abschreibungen

Die Aufsicht will im Rahmen des IFRS 9 und IAS 39 eine angemessene und einheitliche Methodik für Einzel- und Pauschalwertberichtigungen aller Kreditportfolios erreichen. Dadurch soll die zeitnahe bilanzielle Erfassung von Kreditverlusten und Abschreibungen sichergestellt werden.

Des Weiteren sollen Verfahren, ua durch wesentliche Erhöhung der Anzahl und Granularität von Angaben zur Aktivaqualität sowie der Kreditkontrolle, verbessert werden.

Bewertung von Immobiliensicherheiten

Der Leitfaden präzisiert zusätzliche Anforderungen an die Bewertung von Immobiliensicherheiten für NPL Zwecke. Die Bewertungen von Sachverständigen sollen zukünftig überwacht und regelmäßig überprüft werden. Weiterhin legt der Leitfaden einen Bewertungs-Turnus sowie die Rotation des Sachverständigen fest.

Möchten Sie gerne überprüfen wie sich der NPL Leitfaden auf Ihr Institut auswirkt? Die Experten von RFC Professionals unterstützen seit vielen Jahren die Begleitung aufsichtsrechtlicher Entwicklungen und deren Implementierung. Sprechen Sie uns an!


Ihre Ansprechpartner erreichen Sie gerne per Mail.

Matthias Oßmann

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Oßmann

Vedad Bijedic

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