Finale MaRisk veröffentlicht

Die BaFin hat am 16. August 2021 die finale Fassung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) veröffentlicht. Mit der finalen Fassung werden insbesondere Vorgaben aus Leitlinien der EBA zu Auslagerungen (EBA/GL/2019/02), zum Management notleidender und gestundeter Risikopositionen (EBA/GL/2018/06) sowie übergeordnete Aspekte zum Management von IKT und Sicherheitsrisiken (EBA/GL/2019/04) in nationales Recht übernommen. Zudem werden weitere Konkretisierungen vorgenommen, welche aus anderen regulatorischen Initiativen oder der laufenden Prüfungspraxis stammen. Im Vergleich zur Konsultationsfassung vom 26. Oktober 2020 erfolgten weitere Anpassungen, die den beabsichtigten Regelungszweck klarer formulieren und stärker den Proportionalitätsgedanken für kleinere Institute hervorheben.

Anpassungen und Präzisierungen treten mit Veröffentlichung am 16.08.2021 in Kraft, für Neuerungen ist eine Übergangsfrist bis zum 01.01.2022 vorgesehen. Die Anpassung von Bestandsauslagerungsverträgen bzw. aktuell in Verhandlung befindlichen Auslagerungsverträgen hat bis zum 31.12.2022 zu erfolgen. Über die Umstellung der Risikotragfähigkeits- (RTF) Konzepte auf die Vorgaben des RTF-Leitfadens vom 24.05.2018 wird die BaFin gesondert informieren. Die Zuordnung der Änderungen zu den vorgenannten Kategorien und Umsetzungsfristen ist in der Anlage „Einordnung von Neuerungen und Präzisierungen“ BaFin-seitig konkretisiert.

Agieren Sie jetzt proaktiv

Die MaRisk-Novelle stellt insbesondere durch die BaFin/Deutsche Bundesbank überwachte Less Significant Institutes (LSIs) vor Herausforderungen. In einem Marktumfeld mit massiv steigenden Kosten- und Transformationsdruck müssen diese die geänderten Anforderungen zeitnah und pragmatisch umsetzen sowie in ggf. vorhandene übergreifende Transformationsplanungen integrieren.

Die weitgehend sofortige Anwendung der geänderten MaRisk bedingt einen hohen Umsetzungsdruck, welcher durch nachfolgende Faktoren verstärkt wird:

  • Aktuelle bankaufsichtliche Sonderprüfungen fokussieren auf die geänderten Vorgaben; von Seiten des geprüften Instituts ist zumindest eine GAP-Analyse und Umsetzungsplanung vorzulegen.
  • Im Rahmen der anstehenden Jahresabschlussprüfungen wird der Wirtschaftsprüfer Aussagen zum jeweiligen MaRisk-Umsetzungsstand treffen müssen.

Die wesentlichen Anpassungen und Handlungsfelder der MaRisk-Novelle sind:

Auslagerungsmanagement:

Die Adjustierungen des KWG (§§ 24 KWG + § 25b KWG) i.V.m. AT 9 sind einer der Schwerpunkt der MaRisk-Novelle mit nachfolgenden Handlungsnotwendigkeiten für Institute:

  • Etablierung eines zentralen Auslagerungsbeauftragten und ggf. Anpassung der organisatorischen Ansiedlung
  • Etablierung der Anzeigepflicht wesentlicher Auslagerungen (Absicht und Vollzug sowie ad hoc Ereignisse [wesentliche Änderungen und schwerwiegende Vorfälle bei bestehenden wesentlichen Auslagerungen])
  • Etablierung eines bzw. Erweiterung des zentralen Auslagerungsregisters (sämtliche wesentliche und unwesentliche Auslagerungen inkl. Detailinformationen)
  • Ausrichtung der Vorgaben und Prozesse (SfO) entlang des Auslagerungslebenszyklus
  • Prüfung und ggf. Anpassung der Abgrenzung von Auslagerungen zu sonstigen Fremdbezügen
  • Erweiterung der Risikoanalyse um ggf. zusätzliche Kriterien (bspw. politische Risiken, Interessenskonflikte) sowie ggf. Ergänzung einer Szenarioanalyse
  • Erweiterung der Auslagerungsverträge um Mindestinhalte sowie ggf. Konkretisierung von Leistungs- und Überwachungskriterien (KPIs/KRIs) inkl. Entwicklung eines Ansatzes zur risikoorientierten Anpassung auch von Bestandsverträgen
  • Bei Auslagerung von erlaubnispflichtigen Aktivitäten und Prozessen Sicherstellung der Eignung des Dienstleisters sowie dem Vorliegen entsprechender Lizenzen und entsprechender MoU-Vereinbarung der nationalen Aufsichtsbehörden
  • Prüfung von Erleichterungen in Gruppen und Verbünden (ggf. unter Berücksichtigung einer angepassten Auslagerungsstrategie)

NPL-Bestand, notleidende und gestundete Kredite (NPE): Die Umsetzung der Vorgaben erfolgt unter Berücksichtigung des Proportionalitätsprinzips (d.h. ausgerichtet nach Größe, Art, Komplexität und Geschäftsmodell des jeweiligen Instituts). Wesentliche Handlungsfelder sind:

  • Ermittlung der NPL-Quote bereits zu den Stichtagen 30.09. und 31.12.2021
  • Bei einer etwaigen Überschreitung einer 5%-Quote, Konzeption und Operationalisierung einer Strategie für notleidende Risikopositionen sowie entsprechender Implementierungspläne bei hohen NPL-Beständen
  • Etablierung oder Aufstockung einer spezialisierten NPE-Abwicklungseinheit und NPE-Risikomonitoring /-Reporting/-Validierung im Risikocontrolling bei NPL-Quoten von fünf oder mehr Prozent
  • Prüfung einer normkonformen Umsetzung der NPE- und Forbearance-Vorgaben sowie Anpassung der etablierten Prozesse:
    • Integration Forbearance in Kredit- und Überwachungsprozesse
    • Anpassungen des Überwachungsturnus von Sicherheiten sowie ggf. der Rotation von Sachverständigen bei Immobiliensicherheiten
    • Bewertung und Backtesting notleidender Kredite

Notfallmanagement: Hier ergeben sich die nachfolgenden Handlungsfelder (analog zu den parallel veröffentlichten Punkten zum IT-Notfallmanagement gemäß BAIT):

  • Definition von Zielen und daraus abgeleiteten Prozessen
  • Quartalsweise Berichterstattung an die Geschäftsleitung zum Zustand des Notfallmanagements
  • Weiterentwicklung von Auswirkungs- und Risikoanalysen sowie Szenarioanalysen
  • Erweiterung bzw. Anpassung der Testkonzepte inkl. Überprüfung der Wirksamkeit und Angemessenheit (massiv steigender Testumfang)
  • Stärkung der relevanten Schnittstellen (z. B. Risikomanagement, IT, Dienstleistermanagement)

Risikotragfähigkeit (RTF): Handlungsfelder hierbei sind:

  • Die perspektivische Überprüfung und Anpassung des Risikotragfähigkeitskonzepts im Hinblick auf die Umsetzung der normativen bzw. ökonomischen Perspektive (anstelle der Gone- bzw. Going-Concern-Ansätze)
  • Prüfung und ggf. Aggregation einzelner unwesentlicher Risiken im Rahmen der RTF

Die BaFin hat avisiert, dass sie zügig nach Inkraftsetzung der 6. MaRisk-Novelle mit Aktivitäten zur 7. Novelle starten wird. Der Fokus der 7. MaRisk-Novelle liegt dabei auf der Umsetzung der EBA-Leitlinien zur Kreditvergabe und -überwachung sowie spezifischen Aspekten des Umgangs mit Nachhaltigkeitsrisiken. Die 7. Novelle soll noch im Jahr 2022 in Kraft gesetzt werden.

Die Experten von RFC Professionals verfügen über ein umfangreiches Umsetzungs- und Benchmark Know-how zu diesem Themenkomplex. Greifen Sie hierauf zurück und kontaktieren Sie uns gerne per Mail.

RFC-Veröffentlichungen im Kontext der MaRisk-Novelle:

Link zur finalen MaRisk-Veröffentlichung durch die BaFin

Ihre Ansprechpartner:

Matthias Oßmann

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Sandra Schmolz

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