EZB: Ausfallgefährdete Kredite sind Schwerpunkt der Prüfungstätigkeit

Nach der Risikoeinschätzung der EZB in Zusammenarbeit mit den national zuständigen Aufsichtsbehörden (NCAs) ist das Kreditrisiko weiterhin eine wesentliche Herausforderung der beaufsichtigten Banken im aktuellen wirtschaftlichen, regulatorischen und aufsichtlichen Umfeld. Ausfallgefährdete Kredite (Non-Perfoming Loans – NPL) gehören demnach zu den großen Risiken für die Kreditinstitute innerhalb des einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM). Im internationalen Vergleich wird der Bestand an ausfallgefährdeten Krediten im SSM, auch nach Verringerung dieses Bestandes, als zu hoch bewertet.

Die EZB hat im Rahmen des SSM für das Jahr 2019 nachfolgende übergeordnete Prioritätsbereiche festgelegt:

  • Kreditrisiko
  • Risikomanagement
  • Aktivitäten mit mehreren Risikodimensionen

In diesen Prioritätsbereichen wird die EZB wird mit den betroffenen Instituten zusammenarbeiten und individuelle aufsichtliche Erwartungen innerhalb des Rahmens festlegen. Ziel ist ein Abbau der NPL und auf mittlere Sicht ein einheitliches Niveau alter und neuer NPL bei den Instituten. Derzeit ist dieses Niveau in der EU sehr unterschiedlich. Für Deutschland entfallen aktuell etwa 2,6 % des Gesamtkreditvolumens auf NPLs, jedoch scheinen die NPL häufig nicht mit ausreichend Risikovorsorge versehen. In anderen Ländern schränken die Altlasten die Neukreditvergabe zu Lasten der ökonomischen Entwicklung der Volkswirtschaft ein. Betroffen sind hier verstärkt die südeuropäischen Länder. Der Druck NPL abzubauen zeigt sich nicht nur in den Maßnahmen der EZB. Die EU-Kommission möchte den Abbau der NPL beschleunigen, sei es durch unionsübergreifende Maßnahmen wie gemeinsame Sicherungseinrichtungen und Abbaubanken oder durch bankenindividuelle Vorgaben. Im Leitfaden kommt dazu die Erwartung zum Ausdruck, dass ungesicherte NPL-Anteile 2 Jahre bzw. gesicherte NPL-Anteile 7 Jahre nach Identifikation vollständig in der Risikovorsorge berücksichtigt werden.

Als Konsequenz aus der Risikoeinschätzung zu den NPL sieht die EZB insbesondere Prüfungsmaßnahmen in zwei Bereichen vor:

  • Beurteilung der Kreditvergaberichtlinien mit Schwerpunkt auf neuen Krediten
  • Vor-Ort-Tätigkeiten zu Immobilienengagements und Leveraged Finance

Die Kreditvergaberichtlinien werden vor allem im Hinblick auf die Qualität der Neu-Kreditvergabe-richtlinien der Banken beurteilt. Aus der Prüfung der Kreditvergabeverfahren und -standards können institutsindividuelle Maßnahmen resultieren. Spezielle Vor-Ort-Prüfungen in Segmenten wie z.B. Gewerbeimmobilien, Wohnimmobilien und Leveraged Finance sind vorgesehen. Für den Bereich der Kreditvergaberichtlinien unter besonderer Berücksichtigung der Neukredit-vergabe finden sich Vorgaben im Anhang der NPL-Richtline in Bezug auf die Prüfung der Kapitaldienstfähigkeit der Schuldner. Explizit gelten diese erst bei Restrukturierung. Es kann angenommen werden, dass die Maßstäbe jedoch auch bei Neukreditvergabe anzuwenden sind. Der übrige Leitfaden der EZB befasst sich schwerpunktmäßig mit der Behandlung von Krediten, die bereits notleidend geworden sind. Neben den Vorgaben des Anhangs bleiben auch die MaRisk bei der Neukreditvergabe relevant. Für den Bereich der Immobilienkreditvergabe existieren separate Vorgaben in einer eigenen EU-Richtline. Diese Richtlinien und Vorgaben dürften auch die Grundlage für die EZB Prüfung bilden.

Die Vorgaben für die Kapitaldienstfähigkeit der NPL-Richtlinie umfassen die Forderung nach der „Entflechtung“ bei verschiedenen Arten von Kreditfazilitäten (z.B. Retail und Business). Neben der aktuellen und künftigen Rückzahlungsfähigkeit sind auch künftige und aktuelle Ausgabenerhöhungen und -rückgange einzubeziehen. Die zu berücksichtigenden Aspekte sind beispielhaft im Anhang aufgeführt und könnten von den Instituten daher grundsätzlich intelligent am eigenen Geschäftsmodell ausgerichtet werden. Weiterhin sind die einzuholenden Mindestinformationen bei Restrukturierung angegeben. Die Informationen sind jeweils getrennt nach Retail- und Firmenkundengeschäft aufgeführt. Die Richtline findet sich unter https://www.bankingsupervision.europa.eu/ecb/pub/pdf/guidance_on_npl.de.pdf bzw. die Ergänzung unter https://www.bankingsupervision.europa.eu/legalframework/publiccons/pdf/npl2/ssm.npl_addendum_draft_201710.de.pdf

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Daniel Jürgens

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