Entwurf der MaRisk –Novelle: Die wichtigsten vorgesehenen Änderungen und ihre Auswirkungen

Die BaFin hat am 18.02.2016 den Entwurf der MaRisk-Novelle veröffentlicht. Stellungnahmen können bis 07. April 2016 abgegeben werden. Einen Termin zur Veröffentlichung der endgültigen Version nennt die BaFin nicht. Es ist aber mit einem Zeitpunkt in 2016 zu rechnen. Aus der Novelle ergeben sich drei Schwerpunktthemen:

  • Risikodatenaggregation und Risikoberichterstattung (AT 4.3.4 und BT 3): Es besteht die gesteigerte Notwendigkeit, schnell Auswertungen hoher Qualität zur Steuerung und zur Berichterstattung liefern zu können. Für systemrelevante Institute sind die Anforderungen des BCBS 239 in die MaRisk aufgenommen worden. Schon im Vorfeld und damit auch für kleinere Institute, war eine Gesamtbanksteuerung zu etablieren, die die wesentlichen Risiken frühzeitig erfasst und darstellt. Diese Anforderung ist für große Institute nun konkretisiert und erhöht worden, was großen Umsetzungsbedarf mit sich bringen dürfte, wie z.B. automatisierte Datenüberleitbarkeit und Datenaggregation, Auswertbarkeit nach verschiedenen Kategorien, Abgleich der Risikodaten innerhalb des Instituts zur Schwachstellenerkennung, den Anforderungen von Abfragen in Stressphasen gewachsene Aggregationskapazitäten, Festlegung von Verantwortlichkeiten und Kontrollen. Die Risikoberichterstattung ist neu, unter Proportionalitätsgesichtspunkten für alle Institute geregelt worden. Auch hier wird auf erhöhte Datenqualität und die Ad-hoc Berichtsfähigkeit abgestellt.
  • Risikokultur (AT 3 und 5): Der Aufbau einer Risikokultur soll im Rahmen der Gesamtverantwortung durch die Geschäftsleitung für die Geschäftsordnung erfolgen. Diese in der höchsten Hierarchie verankerte Aufgabe zeigt, dass die Risikokultur sich in allen Prozessen niederschlagen muss und innerhalb einer Unternehmenskultur langfristig zu verankern ist. Es dürfte ein langer Weg sein, Risikobewusstsein in allen Marktabteilungen zu etablieren. Die Risikokultur ist Bestandteil des SREP-Überprüfungsverfahrens.
  • Auslagerungen (AT 9): Die Voraussetzungen für Auslagerungen werden konkretisiert, vor allem für die Kontrollbereiche Risikocontrolling (keine Voll-Auslagerung möglich), Compliance und Interne Revision (Voll-Auslagerung nur bei kleineren Instituten). Hier und in den Kernbankbereichen muss eine Rückführung der Aufgaben möglich sein. Dazu müssen fundierte Kenntnisse und Erfahrungen weiterhin im Institut selbst vorhanden bleiben. Diese wesentlichen Auslagerungen müssen durch einen Auslagerungsbeauftragten überwacht werden. Es muss immer ein zentrales Auslagerungsmanagement geben, welches für die Kontrolle und Überwachung der internen Anforderungen, wie auch der externen Dienstleister, Dokumentation sowie für die Koordination und Überprüfung der Risikoanalyse der Auslagerungen zuständig ist.

Neben diesen Schwerpunkten sind weitere Änderungen mit größeren Prozess- oder Dokumentationsimplikationen vorgesehen. Dies sind vor allem:

  • Cooling-Off (AT 4.3.1): Wechsel vom Markt in die Marktfolge oder die Kontrollfolge ist nur nach angemessener Übergangsfrist möglich.
  • Positionsverantwortung für das Risikocontrolling (AT 4.4.1): Der Geschäftsleiter, der für die Risikocontrollingfunktion verantwortlich ist, darf auch für die Marktfolge zuständig sein. Bei Instituten mit maximal 3 Geschäftsleitern darf der Geschäftsleiter für das Risikocontrolling auch für das nicht-risikorelevante Kreditgeschäft zuständig sein.
  • Produktkatalog (AT 8.1): Die aufgenommenen Produkte müssen regelmäßig überprüft werden, ob sie weiterhin im Neugeschäft in Verwendung sind.
  • Neu-Produkte-Prozess (AT 8.1): Der NPP ist zu überprüfen, ob er einem sachgerechten Umgang gedient hat. Dazu sind die Konzepte zu bewerten, ob in Hinblick auf Risikoeinschätzungen gezogene Konsequenzen richtig waren. Mängel im NPP sowie sachgerechte Handhabungen sind zu überprüfen.
  • Forbearance (BTO 1.2.4): In den Kriterien zur Zuordnung für die Intensivbetreuung sind Zugeständnisse, die an den Schuldner gemacht werden, zu berücksichtigen. Eine institutsindividuelle Festlegung soll angelehnt an die EBA-Kriterien erfolgen.
  • Erfassung von Abwicklungserlösen (BTR 1 (7)): Abwicklungserlöse und historische Sicherheitenwerte sind zu messen und in der Adressrisikosteuerung zu berücksichtigen.
  • Liquiditätsrisiko (BTR 3): Es sind erhöhte Anforderungen an die Liquiditätsreserven vorgesehen. Sie müssen so bemessen sein, dass sie auch in Stressphasen ausreichend sind und die Liquiditätslage ist so darzustellen, dass der kurz-, mittel- und langfristige Bereich abgedeckt ist.

Wir als RFC Professionals sind seit vielen Jahren in diesen Themen unterwegs und bereiten sie rechtzeitig auf die Umsetzung der MaRisk-Novelle vor. Für eine frühzeitige Aufstellung ihres Hauses führen wir gerne eine Tool-gestützte Gap-Analyse durch, die ihnen auf einen Blick die Gaps sowie einen Weg zu deren Schließung aufzeigt. Sprechen sie uns an!

Konsultation 02/2016 – MaRisk-Novelle 2016

Daniel Jürgens

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