EBA startet finale Konsultationsphase für Stresstesting Guidelines

Am 31.10.2017 hat die EBA die finale Konsultationsphase zur Stärkung der Säule-II gestartet. Neben den in diesem Blog besprochenen Stresstesting-Guidelines werden SREP-Guidelines sowie IRRBB-Guidelines konsultiert. Hierzu wird von den Teilnehmern ein Feedback bis zum 31.01.2018 erwartet.

Das Ziel dieses Blogs besteht darin, die wichtigsten Unterschiede des aktuellen Entwurfes (2017) im Vergleich zum Entwurf aus 2015 vorzustellen. Eine detailliertere Diskussion des Entwurfes aus 2015 kann unserem Point of View entnommen werden. Der zur Konsultation stehende Teil der Stresstesting-Guidelines bezieht sich auf das Instituts-Stresstesting. Der im Konsultationsentwurf aus 2015 behandelte Überwachungsprozess des Instituts-Stresstestings, das aufsichtliche Stresstesting sowie die Verknüpfung mit dem ICAAP sind nicht Teil des aktuellen Entwurfs.

Generell finden sich zahlreiche semantische Anpassungen,welche überwiegend einen konkretisierenden Charakter aufweisen. Damit Sie sich selbst zügig ein Bild der Anpassungen machen können, haben wir für Sie eine Version des Konsultationsentwurfes erstellt, in welcher die Anpassungen farblich hervorgehoben sind.

Proportionalitätsprinzip

Die Anwendung des Proportionalitätsprinzips, welches im Konsultationsentwurf aus 2015 nicht immer klar hervorging, wurde präzisiert. In Bereich 3 (Background and rationale), wurde ein zusätzlicher Absatz integriert, welcher das Proportionalitätsprinzip auf die gesamten Guidelines anwendbar macht. Insbesondere wurde jedoch ein neues Kapitel in den aktuellen Entwurf eingefügt (Kap 4.5), welches sich dem Proportionalitätsprinzip widmet. Die folgende Tabelle zeigt mögliche Kriterien für Proportionalitätsbewertungen gem. Tz. 58:

(a) Bilanzsumme
(b) Geographische Verteilung
(c) Geschäftsform und Gruppenstruktur
(d) Ist das Unternehmen gelistet?
(e) Ist der Gebrauch interner Modelle autorisiert?
(f) Für welche Dienstleitungen bzw. welche Produkte besteht eine Zulassung?

(g) Geschäftsmodell und Strategie
(h) Risikostrategie, Risikoprofil, Risikoappetit
(i) Inhaber- und Kapitalstruktur
(j) Kundenstruktur
(k) Outsourcing-Aktivitäten
(l) IT-Landschaft

Neben den Ausführungen in Bereich 3 und dem neu-hinzugefügten Kapitel 4.5 finden sich noch weitere explizite Verweise auf das Proportionalitätsprinzip (Kap. 4.6.1, 4.6.2, 4.6.5 Tz.84 und Tz.94 sowie 4.7). Es ist für die finalen Guidelines zu wünschen, dass eine konsistente sowie redundanzfreie Formulierung des Proportionalitätsprinzips gelingt.

Solvenz und Liquidität

Die dynamische Verbindung bzw. Abhängigkeit zwischen Solvenz und Liquidität ist zu untersuchen und abzubilden. Die Modellierung dieser Abhängigkeit findet sich bei den generellen Mindestanforderungen (Kap. 4.1, Tz.12 und Tz.19)sowie bei Kap. 4.6.1 Tz.64. Diese Abhängigkeit ist zudem in Form sog. „adverse loops“ (d.h. sich wechselseitig negativ beeinflussend) im Stresstesting Programm zu berücksichtigen. Neben der Modellierung werden auch detaillierte Anforderungen an die Dokumentation gestellt (Tz. 20 b). Die Anforderungen thematisieren auf granularer Ebene mögliche Verbindungen zwischen Solvabilitätsstresstests und Liquiditätsstresstests. Hier soll beispielsweise eine sich verschlechternde Kapitalausstattung (Solvenz) mit der Fähigkeit Commercial Paper zu emittieren (Liquidität) verbunden werden.

Reverse Stresstesting

Auf qualitativer Ebene ist die Storyline des Reverse Stresstestings sorgfältig zu entwickeln. Hierbei sind dynamische, nicht lineare Verbindungen und Abhängigkeiten zwischen Risikoarten zu berücksichtigen. Es sind externe wie interne Auslöser bzw. eine Kombination zu betrachten (Tz. 93). In Tz. 94 und Tz. 95 werden die Vorgaben zur Sensitivitätsanalyse im Reverse Stresstesting konkretisiert.

Die Experten von RFC Professionals begleiten seit vielen Jahren erfolgreich aufsichtliche Veränderungen und hieraus resultierende Herausforderungen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Analyse, Planung sowie Umsetzung der Stresstesting Guidelines.

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Guidelines on institution's stress testing

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Volker Oostendorp

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Sebastian Kalmbach

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