EBA berät EU-Kommission zur Implementierung der Basel III Finalisierung in der EU

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) ist der Aufforderung der EU Kommission vom Mai 2018 zur Analyse der Auswirkungen einer Implementierung der Regelungen der Basel III Finalisierung in der EU gefolgt und hat am 05.08.2019 ihre Berichte mit Empfehlungen zur Umsetzung von Basel III in der EU veröffentlicht.



Die Empfehlungen der EBA umfassen eine quantitative Analyse der geschätzten Auswirkungen auf Grundlage der Daten von 189 Banken und eine Reihe politischer Empfehlungen. Die EBA entspricht damit der Aufforderung der Kommission um Beratung (Call for Advice).

Die EBA begrüßt darin die in der Basel III Finalisierung enthaltenen Verbesserungen unterstützt deren vollständige Umsetzung in der EU. Dazu gehören die Einführung einer höheren Risikosensitivität in den Standardansätzen zur Messung von Kredit- und Operationellen Risiken sowie Beschränkungen einer internen Modellierung durch Banken, bei denen in der Vergangenheit eine übermäßige Variabilität der Modellergebnisse beobachtet wurde. Insgesamt erhöhen diese Reformen die Finanzstabilität und ermöglichen gleichzeitig den weiteren Einsatz risikosensibler Ansätze.

Die Ergebnisse der Auswirkungsstudie – wir berichteten in unserem Blog „EBA-Auswirkungsstudie zu Auswirkungen von Basel III veröffentlicht“ – zeigen, dass die vollständige Umsetzung von Basel III unter konservativen Annahmen die Mindestkapitalanforderung (MRC) um durchschnittlich 24,4 % erhöhen wird und somit zu einer Gesamtkapitallücke von rund 135,1 Mrd. EUR (davon 91,1 Mrd. EUR hartes Kernkapital, CET1) führt. Die Erhöhung der Mindestkapitalanforderung betrifft insbesondere große global tätige Banken. Die Auswirkungen auf mittelgroße und kleine Banken sind auf 11,3 % bzw. 5.5% begrenzt und führen bei diesen zu einem Fehlbetrag von 0,9 Mrd. EUR bzw. 0,1 Mrd. EUR.

Daneben zeigt die Auswertung bezogen auf die Geschäftsmodelle die mit 20%- 25% stärkste Erhöhung der Kapitalanforderungen bei grenzüberschreitenden und lokalen Universalbanken und Hypotheken-banken. Als wichtigster Treiber wurde dabei der Output Floor identifiziert. Die genannten Geschäftsmodelle behandeln 50% oder mehr ihrer Kreditrisikopositionen nach internen Modellen. Der Haupttreiber bei den meisten Banken mit anderen Geschäftsmodellen ist der Kreditrisikostandardansatz.

Die Ergebnisse und Empfehlungen werden – wie die folgende Abbildung zeigt – in insgesamt fünf Dokumenten dargestellt und erläutert.



Neben dem Bericht mit den Ergebnissen der Auswirkungsstudie und Schlüssel-Empfehlungen wurden von der EBA vier Strategieberatungsberichte mit detaillierten politischen Empfehlungen für die Bereiche Kreditrisiko, Wertpapierfinanzierungstransaktionen, Operationelle Risiken und Output Floor veröffentlicht.

Die Strategieberichte enthalten die folgenden wesentlichen Empfehlungen:

Kreditrisiko: Alle neu vereinbarten Änderungen sollten umgesetzt werden. Dabei wird empfohlen, im Standardansatz die Ansätze auf Basis externer Ratings über alle Exposure-Klassen beizubehalten sowie den Kreditsplitting-Ansatz für immobilienbesicherte Risikopositionen anzupassen. In dem Bericht wird auch empfohlen, die bislang geltenden EU-spezifischen unterstützenden Faktoren für KMU und Infrastrukturkredite nicht beizubehalten.

Wertpapierfinanzierungstransaktionen: Alle neu vereinbarten Änderungen sollten umgesetzt werden, mit Ausnahme des Mindestrahmens für Abschläge, zu dem die EBA weitere Analysen für erforderlich hält.

Operationelles Risiko: Der neue Standardansatz (SA) sollte umgesetzt werden und alle bislang verwendeten Ansätze ersetzen. Dabei soll die institutsspezifische Komponente für historische Verluste für größere Institute weiter als Basis dienen, um die Risikosensitivität zu gewährleisten. Aus dem gleichen Grund kann es kleineren Instituten gestattet sein, die historische Verlustkomponente auch auf einer Einzelfall-Basis zu verwenden. Die EBA empfiehlt der Kommission, eine Phase-in-Frist für die SA in Betracht zu ziehen.

Output Floor: Der Output Floor sollte eingeführt und, soweit anwendbar, zur Berechnung aller Kapitalanforderungen, einschließlich EU-spezifischer Anforderungen wie dem systemischen Risikopuffer, verwendet werden. Der Output-Floor sollte – wie alle weiteren Komponenten der Kapitalanforderungen – auf allen Konsolidierungsebenen angewendet werden.

Die vorliegenden Berichte enthalten noch keine Empfehlungen zur Umsetzung der im Januar 2019 vom Baseler Ausschuss veröffentlichen Überarbeitungen des Standards zum FRTB. Diese sollen in einem weiteren Empfehlungsschreiben zur Umsetzung der finalen Regelungen zu FRTB und CVA noch im Verlauf dieses Jahres folgen.

Die veröffentlichten Berichte und Empfehlungen der EBA bilden die Basis für die anstehenden Trilog Verhandlungen von EU Kommission, EU Rat und EU Parlament.

Es ist davon auszugehen, dass diese weitgehend übernommen werden. Wie die Ergebnisse zeigen, sind die neuen Regelungen teilweise mit deutlichen Erhöhungen der Kapitalanforderungen und weiteren Umsetzungs-Herausforderungen verbunden.

Zur Vorbereitung einer Umsetzung zum 01.01.2022 analog der Baseler Regelungen sollten daher schon jetzt eigene, institutsindividuelle Proberechnungen basierend auf den Erkenntnissen der Ergebnisse der EBA vorgenommen werden. Nur so bleibt noch ausreichend Zeit, um eventuell zusätzlich benötigtes Kapital aufzubauen oder strategische Anpassungen zur Senkung der Kapitalanforderungen einzuleiten.

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Sebastian Kalmbach

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Sandra Schmolz

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