BCBS 455 – Säule 3 Offenlegungsrahmenwerk

Baseler Ausschuss finalisiert die Überarbeitung des Säule 3 Offenlegungsrahmenwerks

Der Baseler Ausschuss hat am 11. Dezember 2018 unter dem Titel „Pillar 3 disclosure requirements – updated framework“ (BCBS 455) die finale Version des überarbeiteten Säule 3 – Offenlegungsrahmenwerks veröffentlicht.

Aufgrund der Finalisierung des Basel III-Rahmenwerks im Dezember 2017 waren Ergänzungen und Änderungen des Offenlegungsstandards vom März 2017 erforderlich. Diesbezüglich wurde im Februar 2018 vom Baseler Ausschuss das Konsultationspapier „Pillar 3 disclosure requirements – updated framework“ (BCBS 432) veröffentlicht. Im Rahmen der Finalisierung wurden die zahlreichen Rückmeldungen zum Konsultationspapier berücksichtigt.

Wie bereits im Konsultationspapier vorgesehen, beinhaltet auch die finale Fassung Änderungen und Ergänzungen u.a. zu:

  • Kreditrisiken,
  • operationelle Risiken,
  • Leverage Ratio,
  • Credit Value Adjustment (CVA-Risiken),
  • Risk-Weighted Assets (RWA) Ergebnissen aus internen Modellen, um eine Benchmark auf Basis der Berechnungen mit den Standardmodellen herzustellen,
  • Übersichts-Templates zu Risikomanagement-, RWA- und aufsichtsrechtlichen Schlüssel-Indikatoren,
  • belastete Vermögenswerte (Asset Encumbrance),
  • Kapitalverteilungsbeschränkungen,
  • Zusammensetzung des regulatorischen Eigenkapitals.

In dem finalen Standard finden sich angepasste, ergänzte und neue Tabellen und Templates sowie eine Liste mit Tabellen und Templates, Formaten und Frequenz sowie Implementierungszeitpunkten für die verschiedenen Offenlegungsanforderungen. Zusätzlich sind jeweils Beschreibungen zum Umgang mit den Templates enthalten.

Aufgrund der Rückmeldungen zum Konsultationspapier wurden insbesondere Anpassungen in den folgenden Bereichen vorgenommen:

  • Offenlegungsanforderungen für operationelle Risiken

Den geäußerten Bedenken bezüglich der Offenlegung historischer Verluste sowie Informationen zu den historischen Verlusten innerhalb der gesetzlichen Rücklagen im Template OR1 wurde durch Änderungen im Template begegnet. So werden vertrauliche Informationen einschließlich der Informationen zu gesetzlichen Reserven ausdrücklich von der Offenlegungs- und Informationspflicht zu historischen Verlusten ausgenommen.

  • Offenlegungsanforderungen für CVA-Risiken

Wegen der geäußerten Bedenken bezüglich der erhöhten Offenlegungsbelastung aufgrund der im Konsultationspapier vom Februar enthaltenen Granularität der CVA-Offenlegungspflichten wurden die Anforderungen wie folgt überarbeitet:

  • Die qualitative Offenlegung von Informationen, die als vertraulich angesehen werden können – wie CVA Risikomanagementstrategien und Art und Umfang der Risikoberichterstattung oder Messsysteme – wurden aus der Tabelle CVA A gestrichen.
  • Der Umfang der geforderten Offenlegung im Template CVA 2 wurde erheblich reduziert, so dass nur die Offenlegung systematischer und spezifischer Komponenten auf aggregierter Ebene erforderlich ist.
  • Anforderungen an die qualitative Offenlegung des SA-CVA Berechnungsprozesses wurden aus der Tabelle CVA B entfernt.
  • Anforderungen an die Aufgliederung der SA-CVA RWA für Kontrahenten mit liquiden und geschätzten Credit Spreads sowie eine begleitende beschreibende Offenlegung zu genutzten Hegde Typen wurde aus Template CVA 3 gestrichen.
  • Offenlegungsanforderungen zum Vergleich der nach internen Modellen und nach dem Standardansatz ermittelten RWA

Im Rahmen der Rückmeldungen wurde die Berücksichtigung von Diversifikations- und Netting-Vorteilen im Zusammenhang mit Marktrisiko und Kontrahenten-Kreditrisiko in der Gestaltung der Vorlage gefordert. Das Template CMS 1 wurde daher entsprechend überarbeitet.

  • Offenlegungsanforderungen zu belasteten Vermögenswerten

Aufgrund der Rückmeldungen zur Notwendigkeit der vorgesehenen erklärenden Aufgliederung wurde diese aus dem Template ENC gestrichen. Es liegt demnach im Ermessen der nationalen Aufsichtsbehörde, die Offenlegung einer solchen Aufgliederung zu fordern.

Zudem wurde aus den Rückmeldungen die Unklarheit hinsichtlich der Unterschiede bei den im Rahmen des Template ENC und der Liquiditätsoffenlegung geforderten Zahlen zu den belasteten Vermögenswerten deutlich. Die Definition von „belasteten Vermögenswerten“ im Template ENC unterscheidet sich von deren Definition für die LCR v.a. durch den Ausschluss des Aspekts der Monetarisierung. Die Anpassung der Definition dient dazu, einen vorläufigen Überblick darüber zu geben, inwieweit das Vermögen einer Bank den Gläubigern im Falle einer Insolvenz zur Verfügung steht. Die Vorlage stellt klar, dass die Definition für den Zweck der Offenbarung spezifisch, und nicht für andere Teile des Basler Rahmens anwendbar ist.

Das folgende Schaubild gibt einen Überblick über die im Rahmen der neuen Offenlegungsanforderungen für die verschiedenen Regelungsbereiche geforderten Templates.


Die Umsetzungsfrist der Offenlegungsanforderungen für belastete Vermögenswerte, Kapitalverteilungsbeschränkungen sowie der aufsichtlichen Behandlung von Problemkrediten wurde um ein Jahr bis Ende 2020 verlängert. Die Offenlegung für die mit Basel III in Verbindung stehenden Regelungsbereiche muss – analog zum Einführungstermin des Säule 1-Rahmenwerks – bis spätestens 1. Januar 2022 erfolgen.

Die dargestellten Anforderungen sind zusätzlich zu den in unserem Blog Beitrag „Baseler Ausschuss finalisiert einen Teil des Offenlegungsrahmenwerks“ bereits im August 2018 veröffentlichten technischen Änderungen zu beachten.

Das folgende Schaubild gibt einen Überblick über die Entwicklungen der Regelungen zu den Säule 3 Offenlegungsanforderungen seit Anfang 2017.


Ergänzend zu den zuvor beschriebenen Anpassungen und Neuerungen des Offenlegungsrahmens hat der Baseler Ausschuss am 13. Dezember das „Consultative Document – Revisions to leverage ratio disclosure requirements” (BCBS 456) mit einer Konsultationsfrist bis März 2019 veröffentlicht. Ziel der darin vorgesehenen Änderungen der Offenlegungsanforderungen der Leverage Ratio ist die Eindämmung des vom Baseler Ausschuss als kritisch beobachteten „window dressing“.

Die vorgesehenen wesentlichen Anpassungen sehen wie folgt aus:

Zusätzlich zu den aktuellen Anforderungen im Rahmen der quartalsweisen Offenlegung sollen für die folgenden Positionen Werte auf Basis täglicher Durchschnittswerte über das Quartal ermittelt und offengelegt werden:

  • angepasste Brutto-Wertpapierfinanzierungsgeschäfte (SFT) Positionen,
  • Wiedereindeckungskosten (RC) derivativer Positionen sowie
  • Zentralbankreserven, die in Bilanzpositionen enthalten sind.

Die neuen Regelungen sollen in Übereinstimmung mit den weiteren Offenlegungsanforderungen für international tätige Institute spätestens zum 1. Januar 2022 umgesetzt werden.

Die Experten von RFC Professionals begleiten seit vielen Jahren erfolgreich ihre Mandanten bei der Umsetzung aufsichtsrechtlicher Anforderungen und Änderungen sowie der Erstellung von Offenlegungsberichten. Wir sind jederzeit gerne für Sie da!

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Matthias Oßmann

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