BaFin veröffentlicht ihre Erwartungen zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken

Die BaFin hat am 20.12.2019 das finale Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken veröffentlicht. Zum Konsultationspapier vom 24.09.2019 haben wir in unserem Blog „BaFin fordert ernsthaftere Auseinandersetzung mit „Nachhaltigkeitsrisiken“ berichtet.

An der ursprünglichen Intention des Merkblattes hat sich nichts geändert. Es ist ergänzend zu den jeweiligen aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen (MaRisk, MaGo, KAMaRisk) zu verstehen. Nachhaltigkeitsrisken werden dabei als Teilaspekt bekannter Risikoarten gesehen und sind somit ggf. ergänzend, gemäß der im Merkblatt skizzierten Grundsätze und Prozesse, zu berücksichtigen (Nachhaltigkeitsrisiken im Sinne des Merkblattes sind Ereignisse oder Bedingungen aus den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, deren Eintreten tatsächlich oder potenziell erhebliche negative Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie auf die Reputation eines Unternehmens haben können; dies schließt klimabezogene Risiken in Form von physischen Risiken und Transitionsrisiken ein). Analog der jeweiligen Mindestanforderungen an das Risikomanagement sind diese im Sinne der doppelten Proportionalität in Abhängigkeit von Art, Umfang und Risikogehalt der Geschäftsaktivitäten zu betrachten und auszugestalten, wobei das Merkblatt hierbei keine methodischen Vorgaben macht (grundsätzliche Methodenfreiheit).

Das Merkblatt soll den beaufsichtigten Unternehmen somit eine Orientierung im Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken geben und als Kompendium von sinnvollen Verfahrensweisen (Good-Practice-Ansätzen) dienen. Die im Merkblatt genutzten Beispiele sind hierbei als illustrativ und wertneutral zu verstehen und haben keinen Empfehlungscharakter.

Zur Verbindlichkeit konkretisiert die BaFin im Abschnitt „Einordnung und Ziele“:

Die BaFin verfolgt zunächst nicht das Ziel, konkrete Prüfungsanforderungen zu formulieren. Entsprechende, später auch prüfungsrelevante Vorgaben werden jedoch in Umsetzung von europäischen Verordnungen, Richtlinien und Leitlinien auf die beaufsichtigten Unternehmen zukommen.“

Wenig überraschend wird damit klar zum Ausdruck gebracht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann aufsichtsrechtliche Vorgaben diesbezüglich auf EU-Ebene verabschiedet werden. An der grundsätzlichen Erwartungshaltung der BaFin diesbezüglich, dass die beaufsichtigten Unternehmen sich bereits jetzt intensiv mit Nachhaltigkeitsrisiken auseinanderzusetzen haben, ändert dies allerdings nichts.

Der Handlungsbedarf der beaufsichtigten Unternehmen ist umfangreich und stellt sich wie folgt dar:

 

Wie einführend erläutert ist es nur eine Frage der Zeit, bis verbindliche Vorgaben auf EU-Ebene verabschiedet werden. Die nachfolgende Übersicht zeigt zusammenfassend die aktuellen Initiatoren und Initiativen auf EU und nationaler Ebene:

 

Der Startschuss zur ganzheitlichen Auseinandersetzung der beaufsichtigten Unternehmen mit Nachhaltigkeitsrisiken ist durch das BaFin-Merkblatt unmissverständlich erfolgt. Wie dargestellt erfordert dies einerseits ein umfassendes Monitoring und Analysen der verschiedenen Initiatoren und Initiativen. Andererseits sind die bisher etablierten strategischen Ziele, Governance-Strukturen, Methoden, Prozesse, etc. systematisch auf ergänzende Nachhaltigkeitsrisiken hin zu untersuchen.

Sehr gerne unterstützen die Experten von RFC Professionals Sie bei der Analyse und Ableitung ihres individuellen Handlungsbedarfs sowie bei der Umsetzung bzw. Implementierung der neuen Anforderungen. Wir sind jederzeit gerne für Sie da! Ihre Ansprechpartner erreichen Sie per Mail.

Matthias Oßmann

Matthias Oßmann

Sandra Schmolz

Sandra Schmolz

Dringlichkeit

Umsetzungsaufwand

Auswirkungen