BaFin aktiviert antizyklischen Kapitalpuffer

ADie BaFin hat am 28. Juni 2019 eine Allgemeinverfügung zur Umsetzung der Empfehlung des Ausschuss für Finanzstabilität (ASF) vom 27. Mai 2019 – wir berichteten in unserem Blog „AFS empfiehlt Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers“ – veröffentlicht.

Mit der Allgemeinverfügung wird der antizyklische Puffer mit Wirkung zum 01. Juli 2019 auf 0,25% des Gesamtforderungsbetrags erhöht. Diese Quote ist ab dem 01. Juli 2020 zur Berechnung des instituts-spezifischen antizyklischen Kapitalpuffers anzuwenden.

Die Allgemeinverfügung richtet sich an Institute im Sinne des § 1 Absatz 1b KWG sowie Instituts-gruppen, Finanzholding-Gruppen und gemischte Finanzholding-Gruppen, denen mindestens ein Institut angehört, das die Anforderung in § 10d Absatz 1 Satz 1 KWG auf Einzelinstitutsebene erfüllen muss, und CRR-Institute.

Dem auslösenden Puffer-Richtwert liegt gemäß der Leitlinie des Baseler Ausschusses (Guidance for national authorities operating the countercyclical capital buffer, BCBS 187, 2010) die Kredit/BIP-Lücke der vorangegangenen vier Quartale zugrunde. Die Kredit/BIP-Lücke wird aus dem Verhältnis der Kreditvergabe an den privaten nichtfinanziellen Sektor zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit Hilfe eines statistischen Filters berechnet. Dabei wird die Abweichung des Kredit/BIP-Verhältnisses zum langfristigen Trend betrachtet. Die Kredit/BIP-Lücke dient dazu, eine übermäßige Kreditvergabe anzuzeigen, welche als eine der Hauptursachen der letzten globalen Finanzkrise gilt.

In Deutschland hat sich die Kredit/BIP-Lücke – wie die folgende Grafik zeigt – zuletzt immer weiter in Richtung Auslöseschwelle (Kredit/BIP-Lücke von 2%) bewegt.


Abbildung entnommen aus BaFin Allgemeinverfügung
Kredit/BIP- Lücke nach der nationalen und der standardisierten Methode.
Die Auslöseschwelle beschreibt den Wert, ab der in der Regel ein positiver Pufferrichtwert folgen würde.

Zur Begründung werden die Erläuterungen des AFS zur aktuell identifizierten Gefährdungslage von der BaFin nach eingehender Prüfung übernommen. Zudem wurden mögliche Auswirkungen der Einführung des antizyklischen Kapitalpuffers auf die Kapitalausstattung der Institute auf Grundlage der COREP-Meldungen zum 31. Dezember 2018 analysiert. In der Gesamtschau ergibt sich für den deutschen Bankensektor eine zusätzliche Kapitalanforderung durch einen deutschen antizyklischen Kapitalpuffer von 5,3 Mrd. €. Dabei divergiert die institutsindividuelle Belastung zwischen 0,02 Prozentpunkten und 0,25 Prozentpunkten der Gesamtkapitalanforderungen. Insgesamt wird die Maßnahme von der BaFin als für den Bankensektor gut darstellbar betrachtet.

Weitere Details finden Sie in der auf der Internetseite der BaFin veröffentlichten Allgemeinverfügung.

Da die Auswirkungen bei den einzelnen Instituten sehr unterschiedlich sein können, muss individuell eine mögliche Kapitallücke überprüft werden.

Sehr gerne diskutieren die Experten von RFC Professionals mit Ihnen die individuellen Auswirkungen der zusätzlichen Kapitalpufferanforderung sowie die sich ergebenden Handlungsnotwendigkeiten und unterstützen Sie bei der Analyse des Kapitalbedarfs und der weiteren Kapitalplanung. Wir sind jederzeit gerne für Sie da! Ihre Ansprechpartner erreichen Sie per Mail.

Sebastian Kalmbach

Sebastian
Kalmbach

Sandra Schmolz

Sandra
Schmolz

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