Aufseher reagieren auf Belastungen durch COVID-19

Erleichterungen und Verschiebungen bei regulatorischen Anforderungen erfordern Anpassungen im Risikomanagement

Die Standardsetter auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene haben auf die mit Covid-19 verbundenen Entwicklungen mit Maßnahmen zur Schaffung vorübergehender Erleichterungen sowie Verlängerungen von Fristen reagiert.

Ziel der Maßnahmen ist einerseits eine operative Entlastung der Banken, um eine Fokussierung auf das Kerngeschäft zu ermöglichen. Andererseits soll die Kreditgewährung an Unternehmen und private Haushalte durch Entlastungen bei Kapital- und Liquiditätsanforderungen, die vorübergehende Flexibilisierung bei der Kreditvergabe sowie Bereitstellung von Förderkrediten erleichtert werden, um die Realwirtschaft zu unterstützen.

Die wichtigsten Maßnahmen sind in der folgenden Abbildung zusammengestellt:

Abbildung 1: Maßnahmen im Überblick

Weitere Details zu den einzelnen Maßnahmen sind in dem folgenden Überblick zu den Beschlüssen auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene zu finden.

Internationale Ebene – Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht / BCBS

Auf internationaler Ebene hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht die folgenden Maßnahmen beschlossen:

  • Verschiebung der Implementierung der finalen Regelungen von Basel III sowie der Regelungen zum Marktrisiko und der Offenlegung nach Säule 3 um jeweils ein Jahr (Pressemitteilung des BCBS vom 27.03.2020)
  • Verschiebung der beiden finalen Implementierungsphasen der Margin Anforderungen für nicht zentral geclearte Derivate um jeweils ein Jahr (Pressemitteilung von BCBS und IOSCO vom 03.04.2020)
  • Flexibilisierungen bei der erwarteten Kreditverlustrechnung sowie Erleichterungen bei der Datenerhebung zur jährlichen Bewertung von global systemrelevanten Banken zur Linderung der Auswirkungen von Covid-19 (Pressemitteilung des BCBS vom 03.04.2020)
  • Einsatz von Kapital- und Liquiditätspuffern zur Unterstützung der Realwirtschaft (Pressemitteilung des BCBS vom 20.03.2020)

Europäische Ebene – EBA / EZB

Auf europäischer Ebene haben EBA und EZB die folgenden Maßnahmen beschlossen:

  • Verschiebung des EU-weiten Stresstests zur Minderung der operativen Herausforderungen durch  COVID-19 für den europäischen Bankensektor (Pressemitteilung der EBA vom 12.03.2020)

Statt des Stresstests soll für 2020 eine EU-weite Transparenzübung durchgeführt werden, um den Marktteilnehmern aktuelle Informationen über die Risikopositionen und die Qualität der Vermögenswerte zur Verfügung zu stellen.

  • Klarstellungen für Banken und Verbraucher zur Anwendung des Aufsichtsrahmens im Zusammen-hang mit den COVID-19-Maßnahmen (Pressemitteilung der EBA vom 25.03.2020)

Die Klarstellungen betreffen v.a. die Klassifizierung von Krediten als Ausfall, die Identifizierung von Forbearance-Positionen sowie deren Behandlung im Rahmen der Rechnungslegung nach IFRS 9.

  • Zusätzliche Klarstellungen zu Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen von Covid-19 auf den EU-Bankensektor (Pressemitteilung der EBA vom 31.03.2020)

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) präzisiert ihre Erwartungen in Bezug auf die Dividenden- und Vergütungspolitik, veröffentlicht zusätzliche Leitlinien für die Anwendung von Flexibilität beim aufsichtlichen Meldewesen und der Offenlegung nach Säule 3 und erinnert an die notwendigen Maßnahmen zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

  • Veröffentlichung von Leitlinien zur Behandlung von öffentlichen und privaten Moratorien unter Covid-19 (Pressemitteilung EBA vom 02.04.2020)
  • Erwartung des Verzichts auf Dividendenzahlungen mindestens bis 01.10.2020 zur Stärkung der Verlustabsorptionsfähigkeit der Banken und Unterstützung der Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen (Pressemitteilung der EZB vom 27.03.2020)
  • EZB aktiviert Kapitalentlastungen in Höhe von 120 Milliarden Euro und schafft weitere Flexibilität im Umgang mit öffentlich gestützten Krediten (Pressemitteilung der EZB vom 20.03.2020)
  • Zeitlich befristete Erleichterungen bei Kapitalanforderungen und operationelle Entlastungen als Reaktion auf COVID 19 (Pressemitteilung der EZB vom 12.03.2020)
  • Maßnahmenpaket der EZB zur vorübergehenden Lockerung der Kriterien für Sicherheiten (Pressemitteilung der EZB vom 07.04.2020)
  • Verlängerung der Überprüfung der geldpolitischen Strategie der EZB um ein halbes Jahr bis Mitte 2021 (Pressemitteilung der EZB vom 02.04.2020)

Nationale Ebene – BaFin

Auf nationaler Ebene haben Bundesbank und BaFin die folgenden Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen von COVID-19 beschlossen:

  • Verschiebung des Stresstests LSI 2021 auf 2022 (Pressemitteilung der BaFin vom 02.04.2020)
  • Antizyklischer Kapitalpuffer: Absenkung der Pufferquote von 0,25% auf 0,0% ab 01.04.2020 (Pressemitteilung der BaFin vom 31.03.2020)
  • Erwartung des Verzichts auf Dividendenzahlungen (Pressemitteilung vom 30.03.2020)
  • Übernahme der von der EZB beschlossenen operationellen Entlastungen sowie der Empfehlungen der EBA (Pressemitteilung der BaFin vom 12.03.2020)
  • Übernahme der von der EBA veröffentlichten Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien in die Verwaltungspraxis der BaFin (Pressemitteilung der BaFin vom 03.04.2020)
  • Möglichkeit der Aussetzung von Vor-Ort-Prüfungen (Pressemittteilung der BaFin vom 18.03.2020)
  • Eigener Bereich zu Corona Themen mit FAQs auf der Homepage der BaFin eingerichtet. (Hier finden Sie den Link zu den FAQs)
  • Erleichterungen bei Kreditvergabe in Form von Förderkrediten

Über die KfW werden aktuell die folgenden Corona Förderkredite angeboten:

  • KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern
  • KfW-Kredit für Unternehmen, die länger als 5 Jahre am Markt sind
  • KfW-Kredit für junge Unternehmen, die weniger als 5 Jahre am Markt sind
  • KfW-Sonderprogramm – Konsortialfinanzierungen ab 25 Mio. Euro
  • Weitere Unterstützungsprogramme für Unternehmen von Bund und Ländern wie Zuschüsse und Soforthilfen, Kurzarbeitergeld zur Vermeidung von Kündigungen, Kreditbürgschaften und steuerliche Hilfsmaßnahmen

Weitere Details sind unter folgendem Link auf der Homepage der KfW zu finden.

Obwohl die oben genannten Maßnahmen darauf abzielen, die Auswirkungen von COVID-19 auf das Bankensystem zu mildern und die Institute vorübergehend operativ zu entlasten, sind dadurch Anpassungen im Risikomanagement, in den Kreditprozessen und im Meldewesen notwendig. So sind z.B. regulatorische Projektvorhaben neu zu priorisieren und zu planen, Risikomodelle zu modifizieren, Kreditentscheidungsregeln zu adaptieren und IT-Systeme entsprechend anzupassen.

Die Experten von RFC Professionals begleiten seit vielen Jahren erfolgreich ihre Mandanten bei der Umsetzung aufsichtsrechtlicher Anforderungen und Änderungen. Wir sind jederzeit gerne für Sie da! Ihre Ansprechpartner erreichen Sie per Mail.

Volker Oostendorp  

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Sandra Schmolz 

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