AnaCredit ist der Auftakt für weitere „Multimillionenprojekte“ im Meldewesen

Vorbote und Testlauf für ein geplantes weit umfangreicheres und harmonisiertes „European Reporting Framework (ERF)“ ist das Kreditregister Analytical Credit Dataset (kurz: AnaCredit). Was AnaCredit angeht, formulieren die zuständigen Aufsichtsbehörden ihre Erwartungshaltung klar und erhöhen somit den Druck auf die Marktteilnehmer. Grundsätzlich gelten die Berichtspflichten ab dem Stichtag 31. Januar 2018 und betreffen in der 1.Phase nur Kredite an juristische Personen. Allerdings sind erste Test-Stammdaten ab dem 01. Oktober 2017 sowie Test-Kreditdaten ab dem 01. Dezember 2017 einzumelden. Aus diesem Grund empfehlen die Zentralbanken den Instituten, ihre Vorbereitungsarbeiten zur rechtzeitigen Erfüllung der Meldeanforderungen entsprechend zu intensivieren. Entgegen der bisher aggregierten Datenanforderungen der Notenbanken, werden mit AnaCredit 89 granulare Datenfelder je Kredit etabliert. Dadurch erhält die Bankenaufsicht detaillierte Informationen über die Qualität des jeweiligen Institutskreditportfolios und schafft sich mittelfristig die Option, Validierungen mit anderen Meldungen vorzunehmen.

Grundsätzlich begrüßen die Institute, trotz der immensen Aufwände, die Bestrebungen die Berichtspflichten europaweit zu harmonisieren. Allerdings zeigt sich bei der Detailausgestaltung von AnaCredit, dass die mögliche nationale Ausgestaltung beispielsweise von Einreichungsfristen, Meldeinhalten und -formaten die angestrebte europaweite Harmonisierung in Teilen ab absurdum führt und dadurch die Umsetzungsaufwände unnötig in die Höhe treibt.

Um das „European Reporting Framework“ voranzutreiben hat das Europäische System der Zentralbanken (ESZB), relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Initiative „BIRD (Banks‘ Integrated Reporting Dictionary)“ etabliert. Dieser gehören auf freiwilliger Basis rund 30 Geschäftsbanken an (u.a. Deutsche Bank AG, DZ BANK AG, S-Rating und Risikosysteme GmbH – für Details siehe auch: http://banks-integrated-reporting-dictionary.eu/). Ziel ist es die Kooperation zwischen Banken im aufsichtsrechtlichen Meldewesen zu fördern, den Berichtsaufwand der Institute zu mindern und zugleich die Qualität der an die Aufseher gemeldeten Daten zu verbessern. BIRD hat bereits eine erste Fassung von technischen Leitlinien vorgelegt. Zudem beschäftigt sich die Gruppe mit der Meldung aufsichtlicher Finanzinformationen (FinRep). Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dass die EZB analog zu AnaCredit eine Verordnung zum ERF erlässt, was derzeit allerdings nicht angedacht ist. Vielmehr wird aktuell davon ausgegangen, dass eine Meldeerfüllung nur gegeben sein wird, wenn die im Rahmen der BIRD-Gruppe formulierten Leitlinien entsprechend angewendet werden. Eine Etablierung des Proportionalitätsprinzips im Rahmen dieser Vorgaben wird in Aussicht gestellt. Die Erfahrungen aus dem Aufsichtsstandard BCBS 239 lassen jedoch anderes vermuten. Zunächst war dieser nur für global systemrelevante Banken angedacht, inzwischen steht dieser Standard mit der derzeit in Endabstimmung befindlichen MaRisk-Novelle aber auch vor dem Einzug in das für alle Banken geltende Regulativ.

Bis ein europaweites harmonisiertes, wesentlich detaillierteres Meldewesen steht und hieraus resultierende Effizienzen greifen, werden zwar noch Jahre vergehen, gleichzeitig aber die Banken dazu gezwungen zweigleisig zu fahren. Dies bedeutet auf der einen Seite für mehrere Jahre die geltenden Berichtsanforderungen zu erfüllen und parallel dazu ein wesentlich komplexeres Datenmanagement und Berichtswesen aufzubauen. Großvolumige Umsetzungsprojekte werden hierzu notwendig sein und alle Banken treffen, wobei auch eine enge Abstimmung mit anderen Initiativen (z.B. BCBS 239) einzuplanen ist.

Die Experten von RFC Professionals unterstützen seit vielen Jahren erfolgreich die Implementierung von geänderten Meldeanforderungen bei Banken. Sprechen Sie uns gerne an.


Matthias Oßmann

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